Martin's Südamerikareise - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt travel blog

Alpakas beim morgendlichen Grasen.

Der "weite" Weg zum Guaneguane.

 

Blick auf den südwestlichen Teil des Parkes.

Am Berg.

Es ist nicht mehr weit.

Auf dem Gipfel - etwa 5'100 m.ü.M.

 

Die vereiste Gipfelkappe des Volcan. Pomerape.

Hier der Gipfel des Vo. Parinacota.

Blick Richtung Norden.

Die Lagunen Cotacotani und der Lago Chungara.

Blick auf den vor mir liegenden Heimweg.

Bald "zu Hause".


An dem Tag hatte ich eigentlich nur vorgehabt den Weg zum Cerro Guaneguane zu erkunden und in etwa zu herauszufinden, wo die einfachste Aufstiegsroute sein könnte. Deshalb liess ich mir viel Zeit mit Aufstehen, essen und packen. Glücklicherweise wollte ich den Trainingeffekt einwenig erhöhen und nahm alles notwendige Material - und auch ein bischen mehr - für die Besteigung mit. Nur so nebenbei wusste ich eigentlich nur drei Dinge mit Sicherheit: erstens wusste ich welcher Berg Cerro Guaneguane war, zweitens hatte mir Dinu erzählt, dass ich auf einem Lamatrail aufsteigen würde und drittens hatter er auch erwähnt gehabt, dass man von Parinacotta etwa vier Stunden hin- und zwei Stunden zurück benötigen würde. Vom Profil des Berges her nahm ich an, dass die Besteigung von der westlichen Seite erfolgen würde. Ich brach also gegen halb elf Uhr in Richtung der vermutlich einfachsten Route am Berg auf und konnte bei der einzigen Engstelle des Flusses weit und breit ganz in der Nähe des Zeltes mit einem kleinen Satz hinüberhüpfen. Zu dem Zeitpunkt hatte sich eine Gruppe Alpakas unweit des Zeltes zum Grasen eingefunden. Beim Anblick des vor mir liegenden Weges zweifelte ich eigentlich nicht, dass ich es bis zum Berg schaffen würde. Die Frage war nur wieviel Zeit ich in Anbetracht der hügeligen Landschaft dafür brauchen würde. Da der Berg fast immer zu sehen gewesen war hatte ich beim Hinweg nicht mit navigatorischen Problemen zu kämpfen gehabt. Doch schon zu beginn machte ich mir über den Rückweg gedanken und setzte wie am Tag zuvor eine Mischung aus Steinmännchen und GPS-Wegpunkten. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass das kleine Zelt schwieriger zu finden sei wie der "riesige" Berg. Da das Erstellen der Steinmännchen ziemlich anstrengend gewesen war und auch nicht überall die Möglichkeit dafür bestanden hatte lagen sie zum Teil ziemlich weit auseinander - vor allem beim Traversieren von Hügeln. Dafür merkte ich mir aber die Höhe in m.ü.M. der Traverse. Auf dem Weg konnte ich übrigens auch eine Eule beobachten, und dies am hellichten Tage!

Als mich dann nur noch ein Talkessel von dem eigentlichen Berg trennte - es war etwa halb Eins gewesen (Höhe des Grates etwa 4'650 m.ü.M. kam mir zum ersten mal der Gedanke, dass ich wenigstens versuchen konnte innert der nächsten zwei Stunden es auf den Gipfel zu schaffen. Ich hatte ja sowieso vorgehabt zwecks Aklimatisation etwas Höhenluft zu schnuppern. Von dem Hügelrücken konnte ich auch zum ersten Mal die Sandspur genauer anschauen, welche vermutlich den Lamas als Aufstieg dient und zum Gipfelgrat führt. Allzu steil sah es nicht aus. Um nicht unnötige Höhenmeter zum machen folgte ich auf gleicher Höhe dem Kessel auf teilweise Lamaspuren .

Die Sandpassage und auch der nachfolgende felsblock durchsetzte Grat war nicht allzu steil, höchstens anstrengend gewesen - vor allem für das Herz und die Atmung. Die Wegfindung stellte sich als nicht allzu schwer heraus, ich hatte einfach einen der Lamatrails auszuwählen. Glücklicherweise war der Grat nicht allzu ausgesetzt gewesen, sonst hätte der heftige Wind, welcher ab dem Grat wehte doch noch zum Problem werden können. Angst, dass ich arg ins Schwitzen kommen könnte musste ich nicht haben, bei dem langsamen Tempo mit dem ich Unterwegs gewesen war. Sogar etwas früher wie erwartet erreichte ich um etwa 3 Uhr 30den Gipfel (etwa 5'100 m.ü.M) und genoss die wunderbare Aussicht auf die Vulkane und die Umgebung.

Der Abstieg bis zum ersten Pausenplatz verlief eingentlich problemlos und schnell (dauer etwa eine Stunde), abgesehen davon, dass ich bei der kleinsten Steigung schon ziemliche Mühe bekundete und der Heimweg war noch lange und vor allem von einigen Anstiegen durchsetzt. Der Heimweg wurde auch tatsächlich zur Mühsal, vor allem beim Durchqueren der steindurchsetzten Passagen, wo das Gehen schwierig war und Konzentration erforderte. Irgendwann so nach zweieinhalb Stunden musste ich notfallmässig eine Pause einlegen und etwas Schokolade einwerfen - ich war ziemlich am Ende gewesen, so war ich dann auch heilfroh wohlbehalten beim Zelt angekommen zu sein. Der Sprung über den Bach war am Morgen auch etwas souveräner gelungen gewesen.

Die Arbeit war aber noch nicht getan. Zuerst hiess es noch Wasser filtern zu gehen und wie ich ja gestern schon gesehen hatte war dies auch mit Mühe verbunden. So benötigte ich eine Dreiviertelstunde bis ich fünf Liter zusammenhatte. Da die Sonne nach dem ersten Liter untergegangen war kann man sich vorstellen, dass ich nicht an Ueberhitzung gelitten hatte als ich mich aus dem Schneidersitz wieder in die aufrichtige Position begab. Abgesehen davon, dass ich im allersten Moment die Beine kaum strecken konnte bekam ich instantan einen Schüttelfrost und ich beieilte mich zum Zelt zu kommen um mich wärmer Anzuziehen und zu kochen. Nach der mehr als ein Liter Suppe hatte ich keine Lust mehr den Kartoffelstock zuzubereiten, ich zwang mich nur noch dazu einen Topf voll Kokatee zu kochen. Die Unordnung und auch der schöne Sternenhimmel war mir piepegal als ich mich zur Ruhe legte. Auch diese Nacht zog ich zu beginn keine lange Unterhosen und dicken Socken an und obwohl es sogar ein bischen kälter im Zelt gewesen war hatte ich die ganze Nacht über sehr warm gehabt. Ob das wohl mit der besseren Aklimatisation an die Höhe zu tun gehabt hatte? Wer weis.

Ich werde am 30.10. übrigens nach Cochabamba fahren und dort den NP Torotoro für etwa zwei Tage besuchen.

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