Martin's Südamerikareise - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt travel blog

Die Minenprospekteure.

Die Kirche von Parinacota.

Auf dem Weg zum "Basislager".

 

 


Der Wecker war eigentlich bereits um um fünf Uhr zwanzig losgegangen aber bis ich mich aus dem warmen Schalfsack schälen konnte und mein Müsli - Haferflocken mit Schokopops - zu bereitet hatte war bereits sechs Uhr gewesen und gepackt hatte ich noch nicht, dabei wollte ich bereits um viertel vor sieben Loslaufen, um an der etwa drei Kilometer entfernten Fernverkehrstrasse Arica-La Paz autostopp machen zu gehen. Ich machte mich also mit einer halben Stunde Verspätung und mit Food für vier bis fünf Tagen übelschwer Bepackt auf den Weg. Ich kam aber nicht weit, als mich ein Pick-up überholte und ich es schon bedauerte, dass ich nicht den Rausgehalten hatte, als wie durch ein Wunder der Wagen stoppte und rückwärts auf mich zu kam und dann wenige Meter vor mir anhielt. Ob ich nach Parinacota wolle, fragte man mich. Klar wollte ich und so hatte sich das herumgelümele im Schlafsack eigentlich ausbezahlt. Die vier Männer im Wagen arbeiteten als Minenprospekteure, sprich sie suchten nach neuen Orten für die Erschliessung von Kupfer- oder Goldminen . Nach etwa dreissig Minuten fahrt erreichten wir das Dörfchen Parinacota, das auf etwa 4'400 m.ü.M. gelegen ist. Übrigens waren vor dem Dorft bereits viele verschiedene Tiere zu sehen gewesen. Erstaunlicherweise waren wir nicht die einzigen auf der Mini-Plaza gewesen. Da warteten eine Italo-Schwedin (welche mich sehr an meine "jüngere" Schwester erinnerte) und zwei Amerikanerinnen mit ebenfalls recht grossen Rucksäcken auf einen Microbus (sie wollten alle weiter nach La Paz fahren). Sie seien am vorigen Tag direkt von Arica hierhin gefahren und - was nicht weiter verwunderlich war - hatte sie die Höhe schlecht vertragen, abgesehen von der Italo-Schwedin (ich hätte das nicht gemacht). Infolgedessen hatten sie auf's Zelten verzichtet und waren bei einer Familie untergekommen. Bald nach der Ankunft fragte mich eine Parinacotin, ob ich eine Unterkunft bräuchte. Ich schaute sie mir auch an, aber sagte dann, dass ich mir noch nicht sicher sei. Eigentlich wusste ich bereits, dass ich irgendwo im freien Campieren wollte. Wofür hatte ich all das Zeugs die ganze Zeit mit mir herumgeschleppt. Es gab zwar beim - damals unbesetzten - Conaf-Gebäude so etwas wie Zeltplätze, aber die machten mich auch nicht an.Die Amerikanerinnen hatten mir noch erzählt, dass es hinter dem Dorft genügend Flüsschen gab, zu Trinkwasser zu kommen sollte also kein Problem sein.

Mittlerweile war ein kleiner Bub mit einem halbaufgepumpten Fussball aufgetaucht. Es ergab sich, dass wir etwa eine Stunde "Fussball" spielten. Ich war dann doch bereits müde, was sicherlich auf die Höhe zurückzuführen war.

Endlich brach ich also zur eigentlich ein bis zwei stündigen Rundwanderung ("sendero de interpretation") auf. Der mit Steinen an den Rändern markierten Weg weist mehrere Aussichtspunkte auf, von wo Tiere (Riesenblesshühner oder Lamas) oder aber die charakteristische Landschaft beobachtet werden kann. Als ich dann nach etwa zwanzig Minuten beim höchstgelegen Mirador ankam und von dort aus hinter einem Feuchtgebiet, welche Bofedal genannt werden - im Osten Hügelketten sah von wo ein Flüsschen herkam, war klar wo ich ein geeigneter Zeltplatz zu suchen hatte. Das Plätzchen sollte in der Nähe von fliessendem Wasser gelegen sein, eine möglichst Ebenen Untergrund aufweisen und nicht in der Nähe von Häusern gelegen sein - ich war mir nicht sicher wie egal es den Leuten sein würde, dass ich wild Campierte. Zwei Stunden später hatte ich es dann auch gefunden, wenn auch das letzte Kriterium nicht ganz optimal erfüllt gewesen war. Die Aussicht war zwar auch nicht so phänomenal gewesen, dafür hatte ich das idyllische Flüsschen ganz in der Nähe und abends kam eine Gruppe in die Nähe um zu grasen. Als ich das Wasser des Flüsschens aus der Nähe ansah, bemerkte ich ein ziemlich hoher Gehalt an "Partikeln", u.a. kleine, rote Krebschen. Damit der Filter nicht allzu früh verstopfen sollte, befestigte ich zwei Lagen Stoff vor den Ansaugschlauch (einen Kaffeefilter als optimalere Lösung hatte ich leider nicht dabei).Es dauerte wohl eine Stunde bis ich die sieben Liter Wasser gepumpt hatte. Nach dem verschwienden der Sonne hinter dem Hügel wurde es noch rascher kalt, da der Wind immer noch zügig bliess. Das Prozedere, das nun folgte sah folgendermassen aus: 1) wärmere Kleider anziehen; 2) Nachtessen kochen (wieder einmal gab's Spaghetti mit Tomatensauce) und essen im Zelt; 3) sich unter dem warmen Schlafsack hervorquälen um eine Pfanne voll Kokatee zu kochen (mit der ungespühlten Pfanne versteht sich) danach Rückzug wieder unter den Schlafsack um das Gebräu zu geniessen, Musik zu hören und das Tagebuch vom Vorhergehenden Tag nachführen; 4) etwa eine Stunde später ein letztes Mal in die Kälte hinausgehen um die Abendtoilette zu vollziehen. Was an dem Abend noch speziell war, dass ich noch motiviert war den Sternenhimmel eingehend anzuschauen. Es ist halt schon phänomenal, wenn kein störendes Zivilisationslicht vorhanden ist. In der Nacht war ich mir definitv sicher, dass ich die Spiralgalaxie M33 von blossem Auge gesehen hatte.

Etwas fröstelnd schlüpfte ich um elf Uhr in den Schlafsack und war mir ziemlich sicher, dass ich eine angenehm warme Nacht haben sollte. Die Komforttemperatur des Schlafsacks war ja von der Transa mit konservativen -8 ºC angegeben worden. Denkste, ich hatte an den Füssen und an den Knien kalt gehabt obwohl es "nur" -4 ºC gewesen war. Notfall mässig zog ich später in der Nacht lange Unterhosen und warme Socken an, so dass ich es dann ziemlich angenehm hatte. Doch weshalb hatte ich eigentlich kalt gehabt, trotz dem sehr guten Schlafsack? Am Loft sprich Bauschkraft der Federn des Schlafsacks konnte es nicht gelegen sein, der war immer noch super gut.

Entweder hatte ich zuwenig gegessen und getrunken oder aber es lag schlicht und einfach an der Höhe. Ich konnte wohl schlecht behaupten nach etwa einem Tag auf über 4'400 m.ü.M. an die Höhe gewöhnt gewesen zu sein - ich hatte sowieso noch nie in so grosser Höhe übernachtet gehabt. Später war ich noch einmal aufgewacht und verspührte beim tiefen Einatmen einen seltsamen Druck auf der Brust.

Zum Schluss noch etwas zum Wetterverlauf: am Nachmittag waren zum Teil dichtere Wolken aufgezogen und verdeckten auch manchmal die Sonne. Dies war nicht unangenehm gewesen.

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