El Diario travel blog

Salento (Kolumbien)

Quito by Night

Quito by Daylight

Mitad del Mundo (240m neben dem Aequator...)

Copa Libertatores Liga de Quito - Montevideo

Ich auf dem Markt in Otavalo

Auf dem Weg auf den Pichincha

En el cumbre de Pichincha mit Alex

Parque Nacional de Cotopaxi

Refugio-Parkplatz auf 4'500m

Refugio

Boeser Wolf (es ist kein Fuchs...)

El Cumbre de Cotopaxi 1'100m Hohenmeter entfernt.

Aufstiegsszenen

Morgenstimmung am Cotopaxi

Morgenstimmung am Cotopaxi

Morgenstimmung am Cotopaxi

Der Bergsteier

Stadtbild Guayaquil

Leguan mitten in der Stadt Guayaquil

Montanita

Come on let's go surfing...

Montanita

Surf again...

Surfing into sunset

Jeep am Strand

I love Montanita


Leute, wie die Zeit vergeht und - ganz anderes Thema - ein Grund, warum ich ohne Reisefuehrer unterwegs bin, ist seine vorstellungszerstoererische Wirkung!

Ich freute mich die ganze Busfahrt ueber von Cali (Kolumbien) nach Quito (Ecuador) auf mein erstes Biseln suedlich des Aequators und trank aus projektunterstuetzenden Gruenden ein Bier mehr. Kurz vor Quito ein Blick in Sitznachbars "Lonley Planet Suedamerika" und der besagt: Die Abflussrichtung der Spuelung haengt nicht von der geographischen Lage ab; ein WC-Maerchen also. Der Druck auf der Blase war von nun weg kein vorfreudiger mehr sondern viel mehr ein laestiger und als ich endlich konnte, die traurige Bestaetigung: Abfluss des Urins in Uhrzeigersinn, Lonley Planet hat recht. Haet ich grad sogut wieder nach Kanada reisen koennen.

Oder aber diese unglaubliche Geschichte negativer Influenz eines Reisefuehrers auf die Reise-Laune: Grad bei Quito um die Ecke liegt die "Mitad del Mundo", die Mitte der Welt. Ein Monument und eine gelbe Linie am Boden bezeichnen den Aequator. Gute Laune, Fotos, Sprueche, Witze - schliesslich und vermeintlich ist die Hand auf der anderen Erdhalbkugel wie der Fuss - wie cool! - aber auch hier: ein Blick in die Reisebibel auf der Heimfahrt schenkt reinen Wein ein: Ungenaue Berechnung (damals), viel eher liegt der Aequator 240m weiter drueben. Na toll. Keine fotographisch festgehaltene hemisphaerische Trennung meiner Koerperteile also. Und also: Scheiss Lonley Planet.

Quito also, die Hauptstadt des faszinierenden Landes Ecuador. Von der Pazifikkueste hinauf auf ueber 6'000m.ue.M. praesentiert sich eine Landschaft einzigartiger Vielfalt. Zehn Tage hab ich in und um Quito verbracht. Aus Kolumbien, aus Cali - der "Capital del Salsa" - kommend nach ueber sieben genialen Wochen in diesem Land. Doch es liegt ja auch was vor mir und so schnappte ich zusammen mit Betty und Hanne, mit denen ich seinerzeit fuer eine handvoll Tage unterwegs war, den Bus zur Grenze Ecuadors. Das komplizierte Emigrations-Imigrations-Zollprozedere: Bus nach Ipiales, 10km von der Grenze. Taxi zur Grenze; ausstempeln. Zu Fuss ueber die Grenze marschieren, einstempeln, mit dem Taxi in die naechste Stadt und von da weiter mit dem Bus nach Quito durch grossartige Landschaft und ich hab meinen Ipod verloren. In und um Quito verweilte ich einige Tage, ging hier- und dort hin und startete mein grosses "Projekt Cotopaxi"; Vulkan, 5'897m, vergletschert, perfekte Kegelform, Bilderbuchberg. Aus Aklimatisationsgruenden wanderte und kletterte ich tags zuvor auf dem 4'700m-Gipfel Pichincha, ich fuehlte mich leichtfuessig wie auf der Ronald McDonald-Kindergeburtstagsparty und nicht wie auf dem bis dato hoechsten Gipfel meines Leben: Ich war parat, Cotopaxi konnte kommen. Mit dem Guide gings los, schon die Fahrt mit dem Jeep durch den Parque Nacional de Cotopaxi grosses Fernsehen. Auf 4'500m Parkplatz, auf 4'800m Refugio (Basislager), wohin ich bereits mein ganzes Gepaeck + Material - 16kg - grade den Berg hochschleppte, bei dieser Hoehe nicht eben mal eine Runde auf dem Ponyhof. Woelfe kamen entgegen, passierten uns in kaum 10m Entfernung, schienen sich aber nicht fuer uns Menschenskinder zu interessieren. Um 7 Uhr Abends Bettruhe. Kurz davor erstmals seit Wochen wieder blauer Himmel am Cotopaxi; Sicht zum Gipfel. Tagwacht um Mitternacht, um 1 Uhr in der Frueh Aufbruch. Steigeisen, Eispickel, Seil; check. Der Kegelform des Berges geschuldet ist, dass es konstant steil und gradlinig nach oben geht, flache Abschnitte zum Verschnaufen gibts woanders auf der Welt. Zwei Tage vorher Vollmond, dazu war von den 120 Betten im Refugio nur ein weiteres besetzt. Zwei Seilschaften bzw. vier Leute am Berg statt 200. Vermeintlich ideale Voraussetzungen fuer den Gipfelsturm. Ich hatte den Berg fuer mich im Licht des Mondes. Genial. Trotz Mond gleichzeitig eisiger Schneesturm. Rauf, rauf, rauf. Durch Schneefelder erst, dann durch den Gletscher. Bei Mondschein durch den Gletscher wandern, weit hinten unten dazu die Lichter Quitos. Ich kann das nicht schwarz auf weiss bringen, dafuer Bilder im Kopf die bleiben (wenig Fotos hingegen, da am Berg oben hat man anderes im Kopf als Fotos machen). Auf 50cm breiten Eisbruecken Gletscherspalten ueberqueren, links und rechts gehts scheinbar endlos in die Dunkelheit der Spalten bei Nacht. Oder aber es liegt eine Leiter quer ueber der Spalte, auf allen Vieren, hopp, und darueber. Herzklopfen. Dann der klettertechnisch schwierigste Teil, zugeschneit. Der Guide zoegert lange. Kann man weiter? Ja. Ueber einen 15m langen, zwei Fuss breiten Absatz mit abrutschendem Neuschnee, links eine Eiswand erst steil, dann gar senkrecht nach oben, rechts eine senkrecht abfallende Eis-Fels-Formation. Kurz im Mondschein angeschaut, aber lange hinschauen konnte ich nicht. Eispickel in die steile Wand oberhalb treiben, ein bisschen halt. Spaeter, in der senkrechten Wand, Eispickel nutzlos. Koerper an den Berg pressen, Schrittchen fuer Schrittchen vorwaerts. Nicht runterschauen; aber der Abgrund ist im Kopf. Ein Seil verbindet mich mit dem Guide, aber sichert es auch? Kann der Guide, selbst nur auf diesem schmalen Eisvorsprung stehend, 80kg im freien Fall auffangen? Nette Gedanken, da in der Wand. Die Zeit schien still zu stehen doch ich bezwang meine Hoehenangst. Ich war stolz. Adrenalin, Puls... und der Gedanke an den Rueckweg bei Tageslicht, welches den Abgrund schonungslos offenbaren wuerde. Weiter gings, weiter durch den knietiefen Neuschnee der letzten Tage. Zwei Stunden schon so, das ging an die Kraft, zudem kostete es auch Zeit. Noch zwei Stunden durch den Tiefschnee, dazu eine letzte Kletterpartie vor dem Gipfel stellte mir der Guide in Aussicht. Und dann alles wieder runter. Nein. Ich blieb auf 5'700m.ue.M. im Pulverschnee stecken. Ich musste umdrehen, abbrechen. Schade. Mein grosses Ziel, den Gipfel des Cotopaxi musste ich im wunderbaren Powdersnow begraben. Auch die andere Seilschaft musste an gleicher Stelle aufgeben. Es war an jenem Tag nicht mehr moeglich. Abstieg, vorbei nochmals an der fiesen Stelle, nochmals Koerper an den Berg pressen, nicht abrutschen, nicht abrutschen, nicht abrutschen (Adrenalin, Puls, Stolz...) und dann Sonnenaufgang auf 5'600m.ue.M. Auch hierfuer muessen die treffenden Worte erst erfunden werden.

Das "Projekt Cotopaxi" war, wenn auch nicht "en el cumbre", ein Erlebnis, ein Ding fuer die Ewigkeit.

5'700m.ue.M., und 50 Stunden spaeter, nach stop over in Guayaquil stand ich da in Monatnita mit Badehosen und dem Surfbrett unterm Arm: 0m.ue.M., Pazifikkueste. Die Busfahrt die Anden runter wie aus Eigelb. Montanita, ich blieb 10 Tage, nahm Spanisch- und Surflessons. Ging morgens zur Schule und abends surfen und Leute, es hat schon was, um halbsieben Uhr abends auf dem Meer draussen auf dem Surfbrett zu sitzen, auf die naechste Welle zu warten und dabei der im Meer versinkenden Sonne zuzuschauen. Erst als sich um 7 Uhr die Dunkelheit komplett ueber die Kueste gelegt hat, fuhren wir mit dem Jeep dem Strand entlang zurueck ins Dorf. Jeden Tag.

Waehrend mich beim Snowboarden noch nie ein Yeti angriff, muss ich hierzu allfaelligen Surf-Nachahmern sagen: Attacken aus der Tierwelt koennen vorkommen! Ein Stich, Schmerz im linken Fuss, der jedoch noch dran. Also kein Hai. Was dann? Ein Rochen! Ein Scheiss-Rochen. Das sind diese doofen platten Fische mit Schwanz und integriertem Stachel. Und dieser Arschloch-Rochen hatte also nichts besseres zu tun als mir seinen Stachel in den Fuss zu rammen. Weh, Blut und Scheiss-Surfen! Na gut, das "Scheiss-Surfen" hat bald wieder nachgelassen und am naechsten Tag war ich wieder am Start. Die Tage zogen vorbei und die Zeit in Montanita war genial.

Derweil ist mein Spanisch auf einem Level angelangt, auf dem ich fuer die Gringos ohne weiteres als Dolmetscher fungieren kann. Ein Fakt aber, der meinem Franzoesisch gar nicht zutraeglich ist, wie ich im Gespraech mit zwei Bieler Buben merken musste. In meinem Hirn oben scheint nur eine Schublade fuer jene beiden Sprachen zu existieren und in dieser Schublade gehts momentan offenbar drunter und drueber.

Nun, auch Ecuador hab ich schon wieder hinter mir gelassen - die Zeit bleibt nicht stehen - und ich bin in Peru gelandet. Erst mal ein paar Tage mehr Meer in Mancora, dem "Montanita" Perus und nun bin ich zurueck in den Anden in der Stadt Huaraz auf 3'000m.ue.M am Fusse einiger 6'000er. Hier oben aber zum Beispiel tue ich mich noch schwer mit der Sprache. Sie ist anders als an der Kueste unten. Immerhin kommt mir das, was die Leute sagen, schon Spanisch vor, das heisst, sie reden glaubs die gleiche Sprache wie ueberall, nur einfach in einer schwerer verstaendlichen Art. Nach 2-3 Tagen Sprachs-Aklimatisation hier oben wird sich aber auch dieses Problem in Luft aufgeloest haben.

Nach Huaraz uebrigens kam ich wie Maria zum Jesuskinde. In Mancora hab ich mir bereits das Busticket nach Lima erstanden und mich mental auf die 19 Stunden in der Dose eingestellt, als mir eingefluestert wurde (...im Lonley Planet steht, dass...), dass auf halben Wege nach Lima, weit oben in den Anden, eine Perle namens Huaraz liegen sollte; majaestetische Schneeberge, blaue Lagunen. Zurueck am Ticketschalter waren sie nicht gerade freundlich, nicht gerade hilfreich, ich konnte mein Ticket nicht tauschen (selbst nicht gegen ein billigeres ohne Rueckerstattung). Gekauft war gekauft und der Bus nach Lima ging non-stop. Unmoeglich, unterwegs einfach auszusteigen. Naja, Hallo Busmannschaft (zwei Fahrer, zwei Stewardessen(!)), kann ich auf halben Wege kurzerhand mal eben aussteigen, da ich lieber nach Huaraz fahre als nach Lima? Die netten Busleute fanden meinen Plan lustig und spuckten mich in irgendeinem Kaff an der Kueste aus, von wo aus ein Bus die Bergstrasse hoch nach Huaraz fuhr. So schreib ich diese Zeilen nicht wie geplant aus Lima sondern aus einer Stadt in den Anden, von deren Name ich noch vor 24 Stunden noch nie in meinem Leben gehoert hab. Solche Abenteuer passieren, wenn man ohne Lonley Planet reist...

Fertig.



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