Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Inselgewirr zwischen Sumbawa und Flores

keine tropische Landschaft

Pulau Seraya

Das Riff liegt vor der Haustuer.

Abend auf dem Huegel

Abendprogamm: Sonnenuntergaenge

 

 

 

 

 

 

Am Strand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besucher

 

 

und Besuchte

 

 

 

Robinson auf seiner Insel

nach dem Besuch im Fischerdorf

unser Haus auf der Insel

Auf Flores regnet es.

immer was zu tun

 

Der Kingsfisher sagt uns auch am letzten Morgen Lebwohl.

Es geht weiter.


Von Denpasar fliegen wir mit einer relativ grossen Propellermaschine nach Labuanbajo an der Westspitze von Flores. Wir haben gutes Wetter und koennen auch aus der Luft sehen, wie sich die Landschaft allmaehlich veraendert, wie das tropische Gruen und die dichten Regenwaelder braunen Huegeln mit kurzem Gras, vereinzelten Baeumen und niedrigem Buschwerk weichen. Zwischen Bali und Lombok verlaeuft ja die Wallace Line, benannt nach dem britischen Naturforscher Alfred Wallace, der im 19. Jhdt. diese Trennlinie erstmals beschrieben hat. Oestlich dieser Grenze wird der australische Einfluss immer deutlicher, bis man auf Irian Jaya schwarze Menschen mit Kraushaar trifft, die mit dem malayischen Typ der Bewohner von Sumatra, Java und Bali nichts mehr gemein haben - ausser die Zugehoerigkeit zum gleichen Staat. Wir fliegen hier nicht zum ersten Mal, hatten aber selten so gute Sicht. Selbst der Gunung Rinjani auf Lombok, mit mehr als 3700 m Hoehe der hoechste Vulkan SO-Asiens, ist diesmal wolkenfrei.

In Labuanbajo fahren wir vom Fughafen ins Gardena Hotel. Josef, der freundliche Kellner ist noch da und ganz geruehrt, dass sich Lilo seinen Namen gemerkt hat. Dabei sind die Vornamen der Menschen auf Flores fuer uns leichter zu merken, weil Flores eine portugiesische Kolonie war und auch heute noch mehrheitlich katholisch ist. Wir bedauern, dass wir die Fotos nicht mit haben, die Lilo 2002 hier von der Staff gemacht hat, weil wir ja nicht damit gerechnet haben, waehrend dieser Reise nach Indonesien zum kommen. Macht nichts, sagt Josef, Hauptsache, dass wir da sind.

Labuanbajo ist die kleine, verschlafene Stadt geblieben, als die wir sie in Erinnerung haben. Das Meer ist leuchtend blau. In der Bucht mit dem Hafen, der so klein ist, dass die PELNI-Schiffe hier nicht anlegen, ankern einige Segelschiffe, darunter zwei Schoner.

Wir kriegen noch am Vormittag ein Boot nach Pulau Seraya, einer kleinen Insel draussen im Meer, erreichbar in etwa einer Stunde Fahrt. So fahren wir direkt aus der Kulturwelt von Bali in das naturbelassene Traumland von Flores. Hier gibt es keinen Massentourismus. Auch die Bevoelkerungsdichte ist gering und entsprechend duenn ist der Verkehr auf den Strassen durch die Dschungelberge und auf dem Wasser. Dafuer begegnen wir fliegenden Fischen. Freilich segeln die nicht zu ihrem oder unserem Vergnuegen durch die Luft sondern auf der Flucht vor einem Raeuber, der sie zum Lunch haben moechte. Wir fahren hier ueber ein unbeschreiblich stilles und friedliches Meer - unter dessen glatter Oberflaeche sich ein gnadenloser Kampf ums Dasein abspielt.

Seraya ist eine kleine Insel, auf der es nur ein Fischerdorf gibt und ein Resort mit acht Holzhuetten, die dem chinesischen Besitzer des Gardena Hotels in Labuanbajo gehoeren. Wir haben die Insel vor vier Jahren zum ersten Mal besucht, nach einem Tip unserer Freunde vom Ankermi, und haben uns hier so wohl gefuehlt, dass wir einander das Wiederkommen versprochen haben.

Das Wiederkommen an einen Platz, den man beim ersten Besuch sehr schoen gefunden hat, ist nicht ohne Risiko. Jedes Paradies hat Fehler. Man vergisst die Fehler so leicht. Wenn man aber dann zurueck kommt, ist der Reiz der Neuheit nicht mehr so gross wie beim ersten Mal und das Unangenehme faellt staerker auf. Es gibt aber einige Orte auf der Welt, wo uns das Wiederkommen nicht enttaeuscht hat. Seraya gehoert dazu.

Auf der Insel gibt es kein Suesswasser. Das muss sowohl fuer das Fischerdorf als auch fuer die Bungalows aus Labuanbajo mit dem Boot antransportiert werden und wird entsprechend sparsam verteilt. Das Wasser fuers Klo holt man sich aus dem Meer. Strom gibt es nur von 18 bis 22 Uhr, wenn der - uebrigens angenehm leise - Generator laeuft. Fruehstueck, Mittag- und Abendessen gibt es nur zu bestimmten Zeiten. Doch mit dem allem kann man sehr gut leben.

Denn es gibt hier das blaue Meer direkt vor der Haustuer, und das Riff vor der Insel ist von keinem Massentourismus und keiner Uebervoelkerung geschaedigt. Es gibt Seesterne hier, blau und rosa, viele farbenpraechtige Korallen in den unterschiedlichsten Formen und eine Unmenge an Fischen. Etwa 200 m vor dem Strand bricht das Riff steil in die Tiefe ab, und wenn man an dieser Kante entlang schwimmt, hat man ein aehnliches Gefuehl wie beim Wandern entlang der Kante einer steil abfallenden Felswand. Nur, dass man an dieser Kante hier nicht muehsam entlang hatscht sondern schwerelos daran entlang schwebt. Den ganzen Tag ueber ist es hier so ruhig, dass man dem sanften Rauschen des Meeres ungehindert zuhoeren kan. Um zehn Uhr Abends verloeschen die paar Gluehbirnen in den Huetten und in dem kleinen, nach allen vier Seiten offenen Restaurant und dann gibt es nur noch die Sterne, die so intensiv leuchten, wie wir das zuletzt in Pakbeng am Oberlauf des Mekong gesehen haben. Eine Stunde spaeter aber ist der Mond ueber die Huegel gestiegen. Am ersten Abend haben wir noch gedacht, da brennt ein Feuer auf der anderen Seite des Bergkammes. Es ist aber der Vollmond, der uns die Taschenlampe spart, wenn wir im Dunkeln die wenigen Meter vom Wirtshaus durch den feinen und vom Sonnentag noch warmen Sand zu unserer Huette wandern.

Das Meer ist jeden Tag neu. Leider haben wir die Claudia und den Kermi von Ankermi nicht da, um sie fragen zu koennen, was das fuer Viecher sind, die wir in dem kristallklaren Wasser sehen. Eine Seeschlange kennen wir natuerlich und Lilo sieht zwei Mal einen Skorpionfisch, den sie hier Lions Fish nennen. Beide sind giftig, greifen aber nicht an sondern wehren sich nur, wenn man auf sie tritt. Die Bodenberuehrung vermeiden wir aber schon wegen der Korallen. Die sterben, wenn man auf sie tritt.

Was wir hier auch wieder gefunden haben, sind die grossen farbigen Muscheln, deren Schalen etwas geoeffnet sind und die aussehen wie eine blaue, gelbe oder weisse Schlangenlinien auf dem Grund. Wenn der Schatten des Schwimmers auf sie faellt, schliessen sich die Schalen blitzartig. Zum ersten Mal haben wir das 1981 gesehen, beim Schwimmen vor Tioman, einer Insel im suedchinesischen Meer, die zu Malaysia gehoert. Uns war damals ein Zeitlang gar nicht klar, um welche Tiere es sich dabei handelt. Am suedlichen Ende ist das Riff sehr schmal und eine starke Stroemung zieht hinaus auf das offene Meer. Immer wenn wir in diese Stroemung geraten, kriegen wir die Panik und strampeln zurueck an Land. Wir schimmen ohne Flossen, aber auch mit Flossen haette man in der Hauptstroemung keine Chance mehr und muesste schon sehr viel Glueck haben, von einem der wenigen Fischerboote aus zufaellig gesehen zu werden. Sonst verschwindet man auf Nimmerwiedersehen im Stillen Ozean.

Die Tage auf Pulau Seraya vergehen in einem zeitlosen Gleichmass. Wenn unsere Freunde in Ankermi nicht waehren, wuerden wir einfach das Weiterfahren verweigern. An den Abenden gehen wir meistens auf die Huegel hinter unserem Bungalow und schauen dem Sonneuntergang zu. Der ist auch jeden Tag anders, abhaengig von den Wolken und vom Wind, der das Wasser modelliert. Manchmal versinkt die Sonne vor einem wolkenfreien Himmel wie ein grosser, rot gluehender Ball im Meer; das Bild auf der Startseite dieser Website hat Lilo hier im Jahr 2002 aufgenommen. Manchmal ist der Himmel auch bewoelkt und dann rinnen das Licht am Himmel und das Licht auf dem Wasser am Horizont ineinander wie schmelzendes Gold.

Am Weststrand liegen zwei Boote von Fischern aus Flores, die auf ihren Kaehnen leben und uns immer, wenn sie uns sehen, freundlich zum Essen einladen. Wir sind aber von der ungewohnten Vollpension hier so satt, dass wir stets mit einem hoeflichen Terima Kasih ablehnen. Hier am Weststrand, wo kein chinesischer Hotelier darauf schaut, dass der Sand regelmaessig gesaeubert wird, liegen auch Unmassen von Gummilatschen. Lilo hat die Hypothese entwickelt, dass es sich dabei um die Fussbekleidungen der Tsunami-Opfer des Vorjahres handelt, die auf ihrem langen Weg von Aceh nun hier angekommen sind - eine gute Story fuer einen Gruselroman.

An einem der Tage gehen wir in das Fischerdorf und nehmen dabei den Weg entlang dem Oststrand. Der hat etliche schoene Buchten, dazwischen aber muss man ueber Felsen klettern oder in das harte, scharfe Gras der Huegel hinauf steigen. Im Dorf werden wir freundlich empfangen und kaufen ein warmes Sprite um 3000 Rupiah, damit wir doch hier auch ein bisschen Geld lassen. Strom haben sie aus einer Solar-Anlage nur fuer ihre grosse Satelliten-Antenne, nicht fuer Kuehlschraenke. Die gefangenen Fische werden in der Sonne getrocknet oder noch frisch nach Labuanbajo gebracht und dort am Fangtag verkauft. Sie zeigen uns einen besseren Weg zurueck zu unseren Bungalows, den Weststrand entlang, wo man nicht klettern muss und bleiben uns als Freunde in Erinnerung.

Eines Morgens stellen wir fest, dass schon viel Zeit vergangen ist. Wenn wir zwischen Labuanbajo und Ankermi bei Maumere noch einen Stop einlegen wollen, zB bei Ruteng, dessen schoene Reis-Terrassen wir 2002 nur im Vorbeifahren gesehen haben, dann wird es langsam Zeit aufzubrechen. Doro und Micha, ein nettes junges Paar aus Marburg, die vor einigen Monaten in Neuseeland gestartet und ueber Australien hier her gekommen sind und mit denen wir unsere Abende auf der Insel vertratscht haben, wollen auch weiter.



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