Martin's Südamerikareise - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt travel blog

Villa Catedral - ein Skiressort nahe Bariloche

Am Tag zuvor hatte es in den höheren Lagen heftig geschneit

Der Herbst ist im Parque Nacional Nahuel Huapi eingezogen.

 

Refugio Frey auf 1'740 m.ü.M.

Cerro Catedral im Licht der morgendlichen Sonnenstrahlen.

 

 

Das Gebiet um das Refugio Frey ist ein Kletterparadies...

Noch mehr Reflektionen von Cerro Cadedral & Co. in der Lagune

Was das wohl für komische Flecken im Foto sind?

Hier die Auflösung: das vorherige Foto zeigte das Spiegelbild von Co. Catedral...

Eine habe ich noch, eine habe ich noch... ;-)

Die Hüttenkatze genoss die Wärme der Morgensonne - genau wie wir.

Man macht sich fertig für den Aufbruch (Picture taken by Aurélie Colomb).

Blick auf den Talkessel vor dem Aufstieg zur zweiten Lagune.

Wenn das nicht alpines Gelände ist.

Bouldern nahe der Laguna Schmoll ... ich will auch ;-)

 

Die zweite Lagune vom Aufstieg zum ersten Pass her gesehen.

Der erste Pass ist geschafft - Monte Tronador hinten links im Bild.

Der nächste Pass ist bereits in Sicht.

Steiler Abstieg von der Cancha de Futbol.

Herbstliches Blätterwerk.

 

Beim Aufstieg zum zweiten Passübergang (Paso Brecha Negra).

Picture taken by Aurélie Colomb.

Nur ganz am Schluss lag noch etwas Schnee.

Picture taken by Daniela Canepa.

Refugio Jakob (Picture taken by Aurélie Colomb).

Im mittleren Wandteil ist die Schlüsselstelle der Traverse, welche ziemlich vereist aussah.

Unserer Meinung nach hätte der Routenverlauf in etwa so ausgesehen (gestrichelt: Route...

Laguna de los Témpanos (kurzer Sidetrip ab Refugio Jakob).

Bei strahlendem Wetter hiess es am nächsten Morgen (unverrichteter Dinge) abzusteigen

 

Auch der Abstieg in Richtung Colonia Suiza hatte schönes zu bieten (Picture...

Daniela war meine Wandergefährtin der letzten 1 1/2 Tage.

Diese Hängebrücke hatte auch schon bessere Zeiten gesehen (Picture taken by Daniela...

 

Die Fahrt mit dem Pick-up machte spass :-)

Von li. nach re.: Daniela, Yuval, Aureli und Tim.

Seht euch die Steaks an - kein wunder strahlen alle! Picture taken...


Nachdem ich El Bolsón den Rücken gekehrt hatte ging's weiter nach Bariloche vermutlich die Feriendestination von Argentiniern im Sommer und Winter im "Lake Distrikt" (so genannt nach den unzähligen Seen in der Region). Bariloche ist wohl auch die Schokolade"hauptstadt" Argentiniens. Die ersten knapp anderthalb Tage verliefen nicht so glücklich, was aber weniger mit der Unterkunft zu tun hatte ("1004" - in der 10. Etage des höchsten Gebäudes in Bariloche => super Aussicht über den Lago Nahuel Huapi, an der Av. San Martin, nahe dem Büro des Clubo Andino Bariloche, 25 $ für ein Dormitorio), sondern eher mit den Touris, welche ich da antraf. Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich, aber es gab da enige Dinge, die mir nicht passten. Da war zum Beispiel eine junge sympathisch erscheinende Dänin, mit welcher ich mich am Anfang gut unterhalten und auch etwas spanisch praktizieren konnte (sie hatte noch nicht viel Kenntnis, aber es machte doch spass mit ihr zu üben). An dem Abend kochten wir (ein weiterer Schweizer, die Dänin und ein Ami) Lasagne und tranken guten Wein. So weit so gut. Als ich am nächsten ziemlich verregneten und kalten Tag mit dem Schweizer und ihr einen Ausflug auf die Halbinsel Llao Llao machte schien es als das sie sich lieber mit ihm unterhalten wollte und anstatt, dass sie die Gelegenheit ergriff spanisch zu praktizieren (auch der Schweizer konnte spanisch) bevorzugte sie es lieber englisch zu sprechen. Deshalb sagte ich mir "Wer nöd will hät gha". Der Abend hätte eigentlich den Tag retten können, da wir mit einer Schwedin und einer Holländerin - alle vom gleichen Zimmer - zusammen Steak essen gingen, aber es stellte sich as Reinfall heraus. Die Themen, über welche man sprach langweilten mich zu Tode und es schien auch, dass mein Kollege wohl der Renner des Abends war => "wie gut du englisch sprichtst und was für einen grossen Wortschatz du besitzt, blah blah, blah" was ja eigentlich stimmte, aber irgendwo hörte alles auf. Der Abend war für mich sehr bald einmal gelaufen und so wollte ich nur noch nach Hause.

Zum Glück war am nächsten Tag wunderbares Wetter und so entschied ich mich schon früh morgends, ziemlich kurzfristig die Nahuel Huapi Traverse bereits an dem Tag zu beginnen. Glücklicherweise hatte ich bereits am Vortag beim Club Andino Bariloche die Trekkingkarte im Massstab 1:50'000 besorgt, welche sogar "GPS-tauglich" ist, sprich das Standardtkartendatum "WGS 84" aufwies und es einem Erlauben würde Koordinaten direkt von der Karte auf's GPS zu übertragen. Ich fand aber später heraus, dass die Genauigkeit, mit der ein Punkt herausgelesen werden kann doch ziemlich gering sein würde. Zusammen mit der Ungenauigkeit der eingezeichneten Route würde die vorgängige "Programmierung" des GPS wohl kaum von Nutzen sein. Ich informierte mich weiter über die Bedingungen auf dem Trek , welcher eigentlich fünf Tage dauern würde und eine schwierige mittlere Sektion aufwies, welche etwas Klettern erfordern würde. Die Auskünfte, welche ich bezüglich der heiklen mittleren Etappe und der Schwierigkeit der Kletterei erhielt kamen mir jedoch etwas komisch vor. Zuerst hiess es, dass sie gesperrt sei und dies unabhängig von den Bedingungen auf der Etappe. Es stellte sich aber heraus, dass das nicht ganz strikt gehandhabt wurde, sondern dass das man auf eigenes Risiko gehen konnte. Vermutlich wollte man einfach verhindern, dass unerfahrene Trekker sich einem zu hohen Risiko aussetzen. Etwas seltsam fand ich die bemerkungen bezüglich der Kletterschwierigkeitn, welche zu bewältigen seien. Einer der CAB-Typen meinte es sei in etwa ein "dreier", einen Tag später meinte ein anderer es sei keine Kletterei erforderlich, da es nur ein vierer sei !? Seit wann muss man bei einer "4" nicht klettrn. Bezüglich der Ausrüstung hiess es, ich solle Steigeisen mitnehmen, ab er fand dann, dass meine Bergwanderschuhe gut genug seien. Ein Pickel sei nicht nötig.

Beim letzten Besuch bei der CAB teilt man mir noch mit, dass an dem Tag ein arbeitsfreier Tag sei und deshalb auch die Sesselbahn zum Ausgangspunkt der Wanderung nicht laufen würde. Ich würde wohl oder übel auf Alternativroute direkt von Villa Cerro Cathedral zum Refugio Frey hochlaufen müssen. Wie bereits erwähnt hatte ich die Entscheidung bereits an dem Tag loszulaufen sehr kurzfristig getroffen - die Wettervorhersage vom Tag zuvor hatte eher schlecht ausgesehen. So kam ich also wie nicht anders zu erwarten noch ziemlich in den Stress, da ich noch alles Material vor dem Check-out um zehn Uhr auszusortieren hatte, welches ich nicht benötigte. In diesem speziellen Fall war das nicht allzuwenig, da ich diesmal auf's Campingmaterial verzichtete und stattdessen vorhatte in den Refugios zu schlafen, welche es zwischen jeder Etappe hatte. Lebensmittel einzukaufen hatte ich auch noch und hätte in der Windeseile sicherlich irgendetwas wichtiges vergessen respektiv mich in der Quantität ziemlich verschätzt, wenn ich nicht bereits sehr viel Treks hinter mir hatte und in etwa wusste was ich genau benötigte. Ich schaffte es geradenoch auf den nächsten allstündlichen Bus nach Villa Cerro Catedral, einen kleinen Skiressort etwa eine halb Stunde Busfahrt von Bariloche entfernt. Schon bei der Hinfahrt gab es frischverschneite Berge zu bestaunen, diejenigen bei Villa Cerro Catedral zeigten sich dann aber schneefrei.

Der Sessellift zum Originalausgangspunkt der Nahuel Huapi-Traverse - so wie es im Lonly Planet Trekkingguide beschrieben ist, war tatsächlich ausser Betrieb, nur eine einzige Bahn lief, welche aber nicht allzu weit hinaufzufahren schien. Die Alternativroute war an und für sich nicht's überwältigendes, wenn der Weg auch ab der etwa zweiten Hälfte in einem schönen Wald verlief und gegen Schluss - zusammen mit dem steil werdenden Aufstieg - sich schöne Ausblicke auf die das Tal flankierenden Berge möglich wurden. Dass es mit zunehmender Höhe immer kälter wurde, der Weg verliess den Wald auf etwa 1'450 m.ü.M., liess sich an den Schneeflocken erahnen, welche ab und zu von über den Bergen hangenden Wolken herübergeweht wurden. Das Refugio Frey, welches ich - dank dem "leichten Gepäck" - bereits in weniger als den angegebenen vier bis viereinhalb Stunden erreichte liegt gleich neben der Laguna Tonchek, welche ihrer seits von einer imposanten Gebirkskulisse umgeben war. Es erstaunt nicht, dass die Hütte ein sehr guter Ausgangspunkt ist um einen der unzähligen Granitpeaks zu erklettern. Nachdem ich mich in einem der Schläge der Hütte einquartieren hatte können begab ich mich in den Küchen/Essbereich der Selbstversorger um mir etwas Suppe zu kochen, genau das richtige bei der Kälte. So nebenbei windete es zum Teil so stark, dass man schon fast hätte meinen können, dass der Selbstversorgerküchenanbau (was für ein Wort ;-) gleich das Dach verlieren würde. Ebenfalls zum Kochen in der Hütte waren zwei Kletterer, ein Australier und ein Deutscher, so dass das Gesprächsthema eigentlich schon festgelegt war. Es machte mir viel spass über's geliebte Klettern zu plaudern. Ich erfuhr dabei, dass hier vor allem Risskletterei vorherrscht - nicht verwunderlich bei Granit - und dass die Absicherung traditionell ist: Bolts, sprich Bohrhacken gibt's nur an den Ständen und an Orten wo keine natürliche Absicherung möglich ist. Run-outs, lange Abschnitte einer Route, wo keine Absicherung möglich ist, seien dabei nicht selten.

Wie auch immer im Verlaufe des Nachmittags "schneiten" immer mehr Leute herein, unter anderem Aurelìe, ein Organische Chemie Lehrerin aus Frankreich, Tim, ihr australischer Arbeitskollege - Atmosphärenchemiker, wohnhaft in Mainz seit drei Jahren; Juval, ein Israeli, welcher atypisch für sein Landsmänner/frauen alleine reiste und sehr gut spanisch (resp. castellano) sprach; Jason und Daniela, ein Pärchen aus New York (er schlepte ein Mittelformatkamera mit Stativ mit sich herum!); Arthur, ein Pole, der ebenfalls des spanischen Mächtig war und schluss endlich noch Daniela, eine sehr sympathische argentinische Molekularbiologin, welche seit fünf Jahren in Edinborough arbeitet (ihr englisch war ohne spanischen Akzent). Alles in allem sympathische Typen und das gute daran war, dass alle am nächsten Tag mindestens bis zum nächsten Refugio "Jakob" weiter wandern würden. Ich musste mich zum dem Zeitpunkt auch nicht darüber sorgen, dass ich auf der übernächsten, schwierigen Etappe allein unterwegs sein würde, da Aurelie und Tim ebenfalls die ganze Nahuel Huapi Traverse laufen wollten. Sie und ein älteres deutsches Pärchen waren dabei die einzigen gewesen - so weit ich weiss, welche mit dem einzigen laufenden Sessellift zum scheinbar sehr aussichtigen Grat oberhalb von Villo Catedral gefahren um dann später via der Cancha de Fútbol steil zum Refugio Frey abgestiegen waren. Sie erzählten uns, dass dieses letzte Stück ziemlich heickel gewesen war infolge der vereisten Felsen in den schattigen Abschnitten. Das konnte ja noch heiter werden...

Was mir an dem Abend unteranderem so gut gefiel war dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches mit der Zeit aufgekommen war, eigentlich erstaunlich, bei dem zusammengewürfelten multinationalen Haufen, der wir waren. Kochen hatte ich dabei nicht alleine müssen, da sich Daniela, die Argentinierin mit Präferenzen für Schottland, sich spontan dazu bereiterklärt hatte auch noch für mich Polenta mit Käse zu kochen :-) Wir plauderten viel und so

Der Abend ging schnell um und bald einmal war es Zeit für die Camper sich in die eisige Nacht zu begeben um zu ihren Zelten zurückzukehren (die Zeltplätze befanden sich dabei auf der Südseite das Sees, zwischen niedrigen "Lenga"-Sträuchern). Es war dabei so kalt geworden, bei einer Höhe von über siebzehnhundert Metern nicht erstaunlich, dass alle Pfützen nun eingefroren waren. Die Warmduscher resp. Beckenrandschwimmern unter uns Trekkern - mich natürlich eingeschlossen ;-) konnten sich in die wohligwarmen etwa zehngrädigen Schläge zurückziehen, wobei aber auch uns der Gang ins kältestarrende Frei nicht gänzlich erspart blieb, da das beleuchtete Toilettenhäuschen immerhin etwa dreissig Meter von der Hütte entfernt lagen. Ich liess es mir natürlich nicht entgehen, den Sternenhimmel wieder einmal auf mich einwirken zu lassen, aber da der Wind aber ebenfalls ziemlich Wirkte strich ich bald einmal die Segel und legte mich schlafen. Ein, zwei Schnarcher machten die Arbeit des Sandmännchens aber leider nicht allzu einfach, wenn ihr wisst was ich meine.

Am Morgen hätte ich gerne noch eine Weile länger im Bett gelegen, aber ein rötliches Schimmern durch das Fenster liessen mich dann doch schnell munter werden, und dies nicht zu früh. Ich befand mich nicht allzu lange am Ufer des Sees mit Blick auf die zackigen Granitspitzen von Cerro Catedra (ca. 2400 m.ü.M.) und Co. als das Grau der Felsnadeln einem zarten rot wichen, welches immer kräftiger und sich mit der höhersteigenden Sonne in gelb verwandelte. Das Schauspiel wäre aber nur halb so eindrücklich gewesen hätte sich die Kulisse nicht auch noch im See gespiegelt hätte. Leichter Wind war kurz zu Beginn aufgekommen und verunmöglichte so eine 1:1-Abbildung, aber gegen Ende legte er sich für kurze Zeit und so liessen sich Foto schiessen, bei welchen die Spiegelung schon fast perfekter wie das Original war. Nach dem Morgenessen kam dann der Dämpfer: ich wollte meine Sachen packen und musste feststellen, dass von einem Wanderstock nur noch das unterste Segment vorhanden war. Du meine Sch..., mir waren doch glatt während der gestrigen Wanderung das mittlere Segment und das Griffteil unbemerkt abgefallen - ich hatte die Stöcke ausnahmsweise auf den Rucksack geschnallt gehabt, aber scheinbar ein Segment nicht richtig angezogen. Ich suchte natürlich zuerst im Umfeld der Hütte, dann fragte ich noch den Hüttengehilfen, welcher mir aber nicht weiterhelfen konnte. Schlussendlich beschloss ich mich bis zu meinem letzten Pausenplatz vom Vortag hinunterzurennen (zwei Kilometer und etwa zweihundert Höhenmeter weiter unten), da ich gemeint hatte, den Stock noch komplett gesehen zu haben. Fehlanzeige. Ziemlich ausser Atem und bereits etwas Müde kam ich bei der Hütte an und fragte einen der letzten noch nicht abmarschierten Wanderer, ob er etwas von einem Stock wisse und tatsächlich. Jemand habe einen Teil gefunden und sei jetzt auf dem Weg zur nächsten Hütte und würde sicherlich die Nacht dort verbringen. Puh, Schwein gehabt. Erleichtert brach ich wohl als einer der Letzten auf. Das Wetter war perfekt und die Landschaft wunderbar alpin. Dank den Markierungen gab es keine Probleme den Weg zu finden. Am Ende des Tales stieg der Weg steil zur Laguna Schmoll auf, wobei an vielen schattigen Stellen Schnee vom letzten Schneesturm zwei Tage zuvor lag und die Felsen zum Teil von Eis überzogen waren, was das Gehen noch interessanter machte. Bei der erwähnten Lagune traf ich überraschenderweise auf einen Kletterer, welcher an einem sonnengewärmten Granitblock herumboulderte. Ich hätte schon ziemliche Lust gehabt ebenfalls mitzumachen, aber ich war eigentlich froh keine Kletterschuhe mitgenommen zu haben. Dies deshalb, dass ich meine nicht mehr klettergewöhnten Ringbänder nicht sofort wieder überbelasten wollte und auch nicht riskieren wollte bei einem "Abgang" mir weh zu tun (dies konnte noch schnell einmal passieren, wenn mein Crash-Pad - zur hand hat). Auf dem höchsten Teil des ersten Passübergangs angekommen sah ich, weshalb man diesen Ort "cancha de Fútbol" bezeichnete. Ein ebenes sandiges Plätzchen könnte man schon fast als zum Fussballspielen verwenden, auch wenn man besser keine Weitschüsse fabrizieren sollte... Ein Stückchen hatte man eine sehr gute Aussicht auf das vor uns liegende grüne Tal und den am Horizont aufragenden Monte Tronador.

Der Abstieg in's etwa vierhundert Meter tiefer gelegene Tal ging sehr schnell vor sich da man praktisch den von feinem Schutt und Erde bedeckten Hang praktisch hinunterrennen hatte können. Auf dem weitere Weg das Tal hinauf traf ich auf das Pärchen, dass einen Stock mit sich führte, wobei dass letzte Segment durch ein Stück Holz ersetzt hatte. Sie hätten ihn auf dem Parkplatz in Villa Catedral gefunden! Ich war natürlich wieder endgültig happy und versprach ihnen heute abend als Dank ein Bier.

Bald einmal begann der Aufstieg in Richtung des Paso Brecha Negra und es dauerte nicht lange, als ich auch auf Daniela traf und kurz darauf hatten auch Tim, Aurélie, Juval und ein älterer Amerikaner aufgeschlossen. Auf dem Pass legte ich endlich eine Pause ein, nach wohl mehr als dreieinhalb Stunden wandern. Das Panorama war auch hier wieder genial und erinnerte mich doch ziemlich sehr an die Schweiz. Das Refugio Jakob konnten wir im Fernglas auch schon erkennen ((am nördlichen Ufer der Laguna Jakob gelegen). Von da hatten wir auch einen guten Ausblick einen steil abfallen Grat auf der anderen Talseite. Ich vermutete, dass die dritte Etappe über eben diesen Grat hinaufführen würde. Dies sah aber sehr schwierig aus, schon fast zu schwierig.

Die anderen waren schon eine Weile abgestiegen als sich Daniela und ich auf den Weg machten. Wir plauderten über dies und das, wobei wir zum Teil englisch, häufig aber spanisch sprachen, wobei ich versuchte ein paar neue Wörter zu lernen. Dies stellte sich zu Beginn als schwierig heraus - bei meinem wenig phänomenalen Kurzzeitgedächtnis - aber nach häufigem Nachfragen konnt ich sie mir endlich Merken (ich danke Daniela bei der Gelegenheit für ihre Geduld).

In der Hütte angekommen kam dann die zweite Ernüchterung des Tages. Vom Hüttenwart erfuhren wir, dass die Etappe momentan unpassierbar wäre. Es läge einfach zu viel Schnee und Eis in der Route. An dem Morgen hätte es schon eine Gruppe probiert, hatte aber wieder umkehren müssen. Zwei, drei Tage zuvor wäre es aber noch möglich gewesen, aber die heftigen Niederschläge, welche in dieser Höhe als Schnee fielen machten die Passage unpassierbar. Es werde auch noch schlechtes Wetter für den kommenden Tag erwartet - aufkommende hohe Wolkenfelder schienen dies zu bestätigen.

Vor dem Nachtessen machten wir uns noch auf einen anderthalbstündigen Kurztrip zur Laguna de los Témpanos auf, von wo wir einen guten Einblick auf den ersten Teil der dritten Etappe hatten. Mithilfe der Beschreibung aus dem Trekkingführer sahen wir auch ungefähr wo die Route hinauführte: zuerst einem Grat entlang, dann nach einer ca. 50 m Traverse (wohl mehr als 150 m über dem Grund) sollte es eine etwas versteckte Rinne hinaufgehen, etc. Schon von blossem Auge sah die ganze Wand und auch die Rinne ziemlich weiss aus. Im Fernglas zeigte es sich dann, dass das Weiss zu einem grossen Teil Eis war. Somit war es definitiv unrealistisch auch nur daran zu denken einen Versuch zu wagen, vorallem wenn man bedenkt, dass unsere Rucksäcke ziemlich schwer waren. Man hätte wohl eine komplette Ausrüstung für kombinierte Kletterei in Fels und Eis benötigt um es wagen zu können (inkl. Eisgeräte und natürlich ein Seil). Vor allem Tim schien es ziemlich zu "wurmen", dass wir halt am nächsten Tag absteigen mussten, statt die ganze Traverse machen zu können. Auf dem Rückweg besprachen Tim und Aurélie ihre Pläne für ihre letzte Woche und sie kamen auf die Idee eventuell den Vulkan Lanín noch zu besteigen. Als sie mich fragten, ob ich vielleicht auch mitkommen wollte - das anheuern eines Guides währe dann etwas billiger - sagte ich natürlich nicht nein.

In der Hütte hatten sich mittlerweile viele zum Nachtessen eingefunden, wobei wir herausfanden, dass bereits eine Warteliste für diejenigen existierte, welche selber kochen wollten. Bei dem leistungsschwachem mit Holz befeuerten Kochherd dauerte es bis elf Uhr bis wir endlich mit Kochen anfangen konnten. Zuvor hatte ich einen Wackelkontakt an meiner Stirnlampe entdeckt (schon wieder ein Ausrüstungsteil, welches Probleme machte; hört das den nie auf?). Dass wir schlussendlich erst weit nach zwölf Uhr in die Heia kamen machte in diesem Fall nichts, da wir ja nicht früh aufzustehen hatten, da ja nur noch der Abstieg in's Tal bevorstand.

Zu Beginn hatte sich der Himmel noch teilweise bedeckt gezeigt, aber als wir am späteren Morgen aufbrachen war wieder perfektes Wetter wie am Vortag. Eigentlich hätte es mich einwenig nevrven müssen, dass wir nicht einmal hatte versuchen könne weiter zu kommen, aber mir gefiel die Wanderung zusammen mit Daniela, mit der ich mich sehr gut unterhalten konnte, viel zu gut. Von ihr hatte auch das folgende Sprichwort gelernt, welches eigentlich perfekt zum Trek passte : "No hay mal que por bien no venga", was soviel bedeutet, dass alles negative auch eine positive Seite aufweist. Dass heisst, wenn die schwierige Etappe nicht unpassierbar gewesen wäre hätte ich nicht noch einmal die Gelegenheit gehabt die Gesellschaft von Daniela zu geniessen.

Bis wir nach einigen Gegensteigungen das offizielle Ende des Treks erreichten dauerte es noch eine geraume Weile und wir hätten von da aus noch mehr als fünf Kilometer auf einer Strasse wandern müssen, wenn uns nicht ein Pick-up auf halber Strecke mitgenommen hätte.

Ein weiterer positive Aspekt des vorzeitig abgebrochenen Treks war, dass wir, sprich das sehr lose Wandergrüppchen, vor deren Auflösung noch einmal gemeinsam Essen gehen konnten. Frisch geduscht gigen wir zuerst all auf ein Bier und gegen zehn Uhr dann ein schön grosses und saftiges Steak essen zu gehen. Der Abschied zu guter letzt wäre noch etwas schwerer gefallen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich die nächsten Tag noch in Gesellschaft von Aurélie und Tim sein würde. Diese Abschiede sind die traurigen Seiten einer Reise, seuftz :-(



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