Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Vorgeschmack auf den Norden: im Garten von Jim Thomsons Haus in Bangkok

auf dem Weg nach Chiang Mai

Chiang Mai: Auch die Tempel in Norden sind bewacht.

eine Werkstatt, in der Stupas repariert werden ...

... und Figuren fuer Hausaltaere

Manche Moenche sind recht auskunftsfreudig.

verfallender Ziegel-Stupa in der Altstadt von Chiang Mai

Der Park ist eine Oase der Ruhe - oder des Trainings.


Der "Special Express" nach Chiang Mai (ein Dieseltriebwagen mit zwei Waggons, leider airconditioned) startet puenktlich um 8:30. Bis wir aus dem Grossraum Bangkok draussen sind, dauert es 1 1/2 Stunden, nicht nur wegen der Groesse dieser Stadt sondern auch, weil der Zug an den einzelnen Bahnhoefen, die wir auf das Fahrt nach Norden passieren, Fahrgaeste einsammelt. Es sind das alles Einheimische. Die Touristen sind schon am Hauptbahnhof zugestiegen.

Der Zug ist unglaublich sauber. Es gibt zwei Schaffner in beeindruckenden Uniformen, einen Wagen-Reiniger, der jede halbe Stunde mit dem Besen durch die Waggons faehrt und pro Wagen eine Stewardess, dazu ein Fruehstueck, ein Mittagessen und einen Jausenkaffee mit Kuchen - und das alles um 500 Baht (ca. 10 Euro) pro Person. Die Fahrt dauert bis 19:45 Uhr.

Nachdem wir aus der Hauptstadt draussen sind, geht es recht flott ueber Ayutthaya, Lobpuri, Phisanalok in den Norden; das sind alles grosse Staedte, die in der Menam-Ebene liegen. Sie ist die Reiskammer des Landes und wurde vom Chao Phraya aufgeschuettet, jenem grossen Fluss, an dem wir in Bangkok gewohnt haben.

Die grossen Reisfelder werden mit Traktoren gepfluegt. Das ist neu fuer uns. Als wir vor drei Jahrzehnten unsere Reisen in Asien begonnen haben, wurde ueberall in den Reisfeldern noch ausschliesslich mit Holzpfluegen und Wasserbueffeln gearbeitet. In den letzten zehn, fuenfzehn Jahren haben wir in den reicheren Laendern wie Indonesien bemerkt, dass die Bueffel zunehmend von kleinen Motorpfluegen ersetzt worden sind, die ein Mann mit den Haenden durch den Schlamm der Felder lenkt (etwa so wie daheim ein Hand-Balkenmaeher bedient wird). Thailand ist also schon einen Schritt weiter bei der Mechanisierung seiner Landwirtschaft, wobei man sagen muss, dass zB in vielen Gebieten Balis die Sawaks an Berghaenge gebaut sind; auch waere dort der Einsatz von Traktoren wahrscheinlich schon wegen der Kleinheit der Felder kaum lohnend. In Myanmar - Burma war unter britischer Herrschaft der groesste Reisexporteur der Welt - haben wir im Vorjahr keine Motorpfluege in den grossen Reisfelder der Ayeyarwady-Eebene gesehen und schon gar keine Traktoren. Dort fehlt fuer die Entwicklung der zivilen Wirtschaft offenbar das Geld.

Die Mechanisierung der Landwirtschaft - wie wir sie in unserer Kindheit daheim erlebt haben - bedeutet fuer jedes Land einen einschneidenden Wandel. Das liegt bei uns ein halbes Jahrhundert zurueck, deswegen denken wir kaum mehr drueber nach. Einerseits steigt dadurch die Produktivitaet und es faellt bei einer richtigen Politik leichter, die Grundnahrungsmittel fuer die Bevoelkerung zu erzeugen. Andrerseits gibt es Folgen wie Arbeitslosigkeit und Landflucht. Wenn wir wollen, dass die Menschen in den weniger entwickelten Laendern Hoffnung haben koennen, damit sie weniger leicht fuer poltische Zwecke missbraucht werden koennen, damit sie arbeiten gehen koennen statt Fahnen verbrennen und Botschafter-Fenster einschmeissen - wobei das freilich im Vergleich zu den 'Kolateralschaeden', die unsere westlichen Armeen in solchen Laendern verursachen, voellig vernachlaessigbar ist - wenn wir also eine friedliche Entwicklung in allen Teilen der Welt wollen, dann muessen wir wollen, dass diese Laender die Mittel haben, um den Wandel zur mechanisierten und globalen Wirtschaft bewaeltigen zu koennen. In Indien leben noch mehr als 70 Prozent der Menschen auf dem Land. In Thailand hat in den 1990er Jahren der Export von Industrieguetern jenen aus der Landwirtschaft ueberholt; Reis, bis Mitte der 1980er-Jahre Exportgut Nr. 1, steht heute lt. Bangkok Post an 10. Stelle.

Man hat viel Zeit zum Nachdenken, bis man aus der Menam-Ebene draussen ist. Bei Dien Chai erreichen wir die Berge. Die Bahnstationen werden kleiner; sie sind alle blitzsauber und mit Blumen geschmueckt; waehrend unser Zug vorueber rattert, steht der Fahrdienstleiter da, mit einem gruenen und einem roten Fahndl, umgeben von Kindern, Frauen, Maennern ... Man fuehlt sich an die Aspangbahn erinnert, in den 1950er Jahren, wo auch jeder Zug eine willkommene Abwechslung war und viele der kleinen Bahnhoefe vom Bahnhofs-Vorstand mit seiner Familie bewohnt worden sind.

Der 'Dschungel', durch den wir fahren, ist ein recht gezaehmter: kein Baum hoeher als 20 Meter, immer wieder Spuren von Brandrodungen; Lichtleitungen fuehren durch und die kleinen Doerfer mitten im Wald haben alle eine tadellose Asphaltstrasse.

Chiang Mai ist das thailaendische Zentrum fuer Trekkings zu 'unberuehrten Bergvoelkern'. Gemeint sind damit die Karen, die Hmong etc., deren Doerfer wir zT bei einer Tageswanderung im Februar 2005 bei Kalaw in Myanmar erlebt haben. Diese Bergstaemme siedeln seit Jahrhunderten in dem fuer den Drogenschmuggel bedeutsamen 'Goldenen Dreieck' zwischen Myanmar, Thailand und Laos und kommen bei Auseinandersetzungen zwischen Drogenhaendlern und Armeen immer als erste unter die Raeder.

Mit Trekkings zu 'unberuehrten Naturvoelkern' haben wir einige Erfahrung. Am Rio Napo zB, einem Nebenfluss des Amazonas, sind wir als gutglaeubige Opfer eines verfetteten Expeditions-Veranstalters drei Tage lang durch die Gemuesegaerten der Shuar-Indianer gewandert und haben dafuer 20 USD pro Person bezahlt. 2 Dollar bekamen die beiden Guides, die sich ruehrend bemueht haben, uns den 'Dschungel' so interessant als moeglich erscheinen zu lassen; die restlichen 18 Dollar sackte der Fettwanst ein.

Ausserdem haben wir einige Doerfer der Bergvoelker schon im Vorjahr bei einer schoenen Neun-Stunden-Wanderung in den Bergen von Kalaw (in Myanmar) gesehen. Die Tour, die wir an einem Tag gemacht haben, wird auch als Zwei-Tages-Tour angeboten. Als wir zu Mittag an einer von einer Nepali-Familie betriebenen Hill-Station - die man uebrigens mit Lastwagen erreichen kann - gerastet haben, sind die Zwei-Tage-Wanderer gerade angekommen. Wir haben sie um das Schlafen auf den harten Pritschen in der Station nicht beneidet und sind gern wieder hinunter gegangen in unser Guesthouse.

Wir werden uns einmal umsehen. Chiang Mai, in 300 m Seehoehe gelegen, mit seinem milden Klima und seiner guten Luft, mit seinen vielen Tempeln etc. ist auch ohne 'Dschungelabenteur' besuchenswert.



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