Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Pura Samuan Tiga

Touristen muessen fuer den Tempelbesuch angezogen werden.

Bei aller Muehe: Das Resultat ist nicht ueberzeugend.

eine unvorstellbare Anzahl an Opfergaben

Vorbereitung fuer den Auftritt der Taenzer

und Taenzerinnen

Made spielt im Orchester die rubab

Festgaeste

 

 

 

 

 

 

Taenzerinnen, Taenzer und ihre Bewunderer

 

 

 

 

 

Opfergaben, gestaltet mit viel Liebe zum Detail

 

 

 

 

 

Eine grosse Rolle spielt hier der Schweinekopf.

Die Freundlichkeit der Menschen ...

... mit denen wir hier gefeiert haben ...

... werden wir nicht vergessen.

Der Hausaltar ist fuer Kuningan geschmueckt.

Wayan, unsere Hausfrau, im Festtagsgewand

Auch unser Boy hat sich schoen gemacht.

Und die Gaeste machen auch mit, angesteckt von der allgemeinen Festtagsstimmung.

Eingang zum Wassertempel am Wos Barat

Der Affe links ist nicht aus Stein.

immer Zeit fuer einen Schwatz

Die Strassen beherrscht der Barong, der das Gute beswchuetzt.

Begleitet wird er von Buben mit Gamelan-Instrumenten, die fuer Krach sorgen.

Tempel in Ubud am Lotus-Teich

Palast-Garten

Solche Moebel sieht man sonst in den Haeusern nicht.

Die sawah haben eigene Altaere.

Auch hier werden Opfer angeschleppt.

Und in den Strassen der Stadt herrscht noch immer der Barong.


Bei den Festen auf Bali ist uns ein bisserl was durcheinander gekommen - was bei der Vielzahl der Zeremonien hier vielleicht entschuldbar ist. Das Fest, bei dem die Daemonen auf die Erde kommen und alle Menschen in den Haeusern bleiben muessen, damit die dummen Teufel glauben, Bali sei unbewohnt und wieder abhauen, dieses Fest ist Nyepi, das Neujahrsfest, das nach dem balinesischen Mondkalender Ende Maerz oder Anfang April gefeiert wird. Das haben wir hier vor einigen Jahren erlebt. In den zehn Festtagen zwischen Galungan und Kuningan wird der Sieg des Guten ueber das Boese gefeiert. Die Ahnen steigen in diesen Tagen vom Himmel herab und werden in zahlreichen Tempelfesten und mit Opfergaben verehrt und verwoehnt. Eines dieser Feste wurde im Pura Semuan Tiga gefeiert und das Gamelan-Orchester, in dem unser Hausherr Made die rebab spielt, die traditonelle Geige mit zwei Saiten, dieses Orchester war vom Tempel eingeladen worden, bei dem Fest zu spielen und die Taenzerinnen und Taenzer zu begleiten.

Der Tag begann fuer uns damit, dass wir das Festtagsgewand der Menschen auf Bali anlegen mussten. Lilo wird mit dem Sarong und der Frauenbluse alleine fertig. Dem Peter mussten Made und der Boy Wayan beim Anziehen helfen. An sich ist die Maennertracht auf Bali sehr schoen. Sie besteht aus zwei Sarongs, die uebereinander getragen werden, einem Schal um die Mitte, einem Hemd und einem Tuch als Kopfbedeckung, bei dessen Arrangement der Phanthasie fast keine Grenzen gesetzt sind. Am Peter sah das Ding aus wie ein Kopfverband. Aber der gute Wille wurde von den Menschen im Tempel honoriert.

Die grosse Anlage steht in der Naehe von Goja Gajah, einem Hoehlenheiligtum, das bei keiner Bali-Tour fehlt. Pura Semuan Tiga hingegen steht auf keinem Programm der Reisebueros. Das ist ein Tempel fuer Einheimische. Es war auch grad eine Handvoll Westler da, darunter zwei Maler, und alle waren in die Bali-Tracht gekleidet.

Den ganzen Morgen ueber fuellten sich die Bale (ueberdachte offene Versammlungshallen) und Meru (Tempeltuerme mit mehrstufigen Daechern, die den Himmelsberg symbolisieren) mit Unmassen an Opfergaben, an denen die Frauen all die Festtage hindurch gearbeitet hatten. Frauen waren es auch in erster Linie, die zwischen den Opfern herum wanderten und sie kritisch begutachteten. Bei den Opfern hier waren neben Fruechten, Reis, gebratenen Huehnern und Enten auch viele Schweinskoepfe zu sehen. Der Tempel steht naemlich in der Naehe von Pejeng, einem heute kleinen Dorf mit einer grossen und langen Geschichte, die in der Bronzezeit beginnt und mit Dalem Bedaulu, dem letzten Raja von Pejeng im 14. Jhdt. n. Chr. endet.

Der Dalem Bedaulu war der Legende nach ein Mensch mit starken uebernatuerlichen Kraeften. Er konnte sich zB. den Kopf abschneiden und dann wieder aufsetzen. Das machte er so oft, dass dem Shiwa diese Angeberei schliesslich auf die Nerven ging. Er sorgte dafuer, dass der Kopf in einen Fluss fiel und weggeschwemmt wurde. Der Diener des Fuersten nahm in seiner Not den Kopf des erst besten Lebewesens, um seinen Chef wieder zu komplettieren und das war eben ein Schweinekopf. Der Fuerst, der sich verstaendlicher Weise mit seinem neuen Gesicht nicht sehr huebsch vorkam, setzte sich in einen hohen Turm und erliess ein Gesetz, wonach ihm kein Mensch ins Gesicht sehen durfte. Das nuetzte ein cleverer Minister des Madjhapahit-Reiches in Ost-Java aus, denn die Madjhapahits wollten auf Bali schon lange Fuss fassen. Er besuchte den Dalem und bat ihn bei der Unterredung, aus seinem Trinkgefaess trinken zu duerfen, das einen besonders langen Schnabel hatte. Dabei musste er den Kopf weit in den Nacken beugen und es liess sich nicht vermeiden, dass er dem Raja ins Schweinsgesicht schaute. Darueber war der Dalem so ausser sich, dass er sich auf der Stelle selbst verbrannte.

Historisch daran ist, dass das Fuerstentum von Pejeng im 14. Jhdt. n. Chr. von den Madjhapahits erobert wurde.

Der Feiertag im Pura Semuan Tiga zaehlt mit zu den schoensten Tagen, die wir auf Bali erleben durften. Trotz der Unmenge von Menschen, die das weitlaeufige Areal des Tempels schliesslich fuellten, und trotz der mitreissenden Gamelan-Musik und der Taenze war die Stimmung ruhig, oft weihevoll, wenn zwischendurch auch viel gelacht wurde.

Den Abschluss der Festtage - Kuningan - haben wir im Wassertempel am Wos Barat verbracht. Unsere Gastgeber waren mit Verwandtenbesuchen ausgelastet, also sind wir beide allein und wieder im Festgewand die Strasse hinunter zum Fluss gewandert. In der Frueh war es dort noch sehr ruhig. Fuer etwas Aufregung sorgte nur ein alter dicker Affe, der sich sein Fruehstueck aus den Opfergaben klaute. Von einer der Tempelfrauen wurde er schliesslich mit einem Besen vertrieben.

Unter der Frauen, die ihre Opfer hierher brachten, war auch unsere Brueckenfrau und nach dem ueblichen Tratsch, fuer den hier immer jeder Zeit hat, gab sie uns den Rat, zum Palast zu gehen. Dort war zwar auch nicht viel los; Kuningan ist ja ein Familien-Festtag; aber der Palast war fuer das Publikum auch in jenen Teilen geoeffnet, die sonst als Wohnsitz der Fuerstenfamilie verschlossen sind.

Alle traditionellen Wohnanlagen auf Bali, ob es nun Bauernhoefe oder Palaeste sind, bestehen aus einer verwirrenden Fuelle von Bauwerken, die man grob in drei Bereiche einteilen kann: Im ersten haust das Vieh und stehen die Vorratsraeume. Beim Ubud-Palast ist das jener Teil, der nicht mehr den Viechern sondern den Touristen dient. Hier werden allabendlich die Taenze aufgefuehrt, die trotz ihres Zuschnittes fuer fremde Besucher sehr sehenswert geblieben sind. Im zweiten Teil wohnt die Familie, die auf Bali nicht nur bei Koenigs eine beachtliche Groesse haben kann. Und im dritten Teil steht der Haustempel.

Bali ist bezogen auf seine 5800 Quadratkilometer Landflaeche die Insel mit den meisten Tempeln auf der ganzen Welt, sagt das Ubud-Tourismus-Buero, und wir glauben es. Hier gibt es nicht nur die Unzahl der grossen Tempel wie etwa Besakih, die "Mutter der Tempel" am 3.200 m hohen Gunung Agung. Jedes Dorf hat mindestens einen Dorftempel (meit der Shri Devi geweiht, der Goettin des Reises und der Fruchtbaret), jedes Haus hat einen Haustempel, jeder Laden, jedes Wirtshaus, und seien sie noch so klein, verfuegt zumindest ueber einen Altar und dazu kommen noch die Tempel an den heiligen Fluessen, in den Waeldern, auf den Reisfeldern ... Und alle diese Sakral-Anlagen sind mit Leben erfuellt, erhalten taeglich neue Opfergaben, werden mit heiligem Wasser gewaschen, mit Tuechern umwickel, mit Ziergegenstaenden behaengt und mit Raeucherstaebchen versorgt ...

Im uebrigen legen die Menschen auf Bali grossen Wert darauf, dass ihre Religion im Grunde ein Ein-Gott-Glaube ist. Es gibt eine hoechste Gottheit, die weiblich gedacht ist: Ida Sang Hyang Widhi Wasa. Sie wohnt auf dem Gunung Agung und die drei Hauptgoetter des balischen Hinduismusm - Shiwa, der Zerstoerer, Vishnu, der Erhalter und Brahma, der Schoepfer des Universums, sind lediglich Manifestationen von ihr. I Nengah, ein Kellner in Lipah, hat das dem Peter einmal recht einpraegsam erklaert: Du bist Beamter, Familienvater und Tourist; aber deshalb bist du doch auch nicht drei Menschen sondern nur einer! Wieweit die Praxis der Relgionsausuebung hier mit dem theoretischen Ansatz ueberein stimmt, koennen wir freilich nicht feststellen. Der Bali-Hinduismus ist jedenfalls eine Sonderform, die sich aus der Lage der Insel erklaert: Seit fuenfhundert Jahren liegt zwischen Indien und Bali ein islamischer Korridor und seit dieser Zeit ist es den Menschen hier gelungen, ihre eigene Form der Religiositaet zu bewahren. Das ist schon eine Leistung, die in entwickeltes Sozialwesen voraus setzt. Aber das sieht man ja auch an den Reisfeldern.

In Bali wird der Reis fast ausschlisslich in Nassfelden angebaut, in den sawah. Das erlaubt auf dem fruchtbaren Vulkanboden mindestens zwei Reisernten im Jahr. Bali hat in den Ackerbaugebieten des Suedens und im Zentrum der Insel eine Bevoelkerungsdichte, die wesentlich groesser ist als die in Oesterreich. Die sawah werden nach einem ausgekluegelten System bewaessert, dem Subak-System, in dem eine ganze Dorfgemeinschaft zusammen arbeiten muss.

Schon bei unser ersten Reise nach Asien im Jahr 1975 haben wir uns im Jashin-Tal im Norden Pakistans mit einem aehnlich aufgebauten Bewaesserungssystem naeher beschaeftigt, weil einer unserer Freunde, der an der Uni Karlsruhe im Instiut fuer Wasserwirtschaft arbeitete, uns darum gebeten hatte (Einigs davon findet man auf unserer Website www.sciencepress.at/Texte/Reisenotizen in dem Bericht ueber unsere Hindukuschfahrt). Wir haben jedenfalls beim Studium dieser komplexen sozialen Organisation, wie sie fuer eine Nassfeldwirtschaft noetig ist, damals schon begriffen, dass es sich bei den Bauern-Gesellschaften, die solche Oganisatinsformen ueber Jahrhundert erhalten koennen, keineswegs um eine "primitive" Kultur handeln kann. Und diese Erkenntnis hat uns bei den folgenden Reisen, nicht nur in Asien, sehr genuetzt. Wir haben uns seither ueberall, wo wir waren, darum bemueht, etwas ueber jene Sozialformen zu erfahren, die hinter der Oberflaeche liegen. Wir behaupten nicht, dass wir all diese Zusammenhaenge wirklich immer begriffen haben, umso mehr, als die Gespraeche darueber meist in einem Gemisch aus Pidgin-English und ein bis zwei Landssprachen stattfanden - hier auf Bali eben Bahasa Indonesia und Bali; das sollen sich Touristen auch oefter klar machen, dass jeder, der hier Englisch redet, in Wahrheit drei Sprachen kann. Doch neben der Befriedigung unserer Neugier hatte diese Reisemethode auch den Effekt, dass wir ueberall auf der Welt Freunde gefunden haben. Nachteilig ist, dass wir sosehr auf Bali fixiert sind und darueber so viele Freunde in allen Teilen der Welt so selten sehen. Aber wie Lucia in ihrer letzten Mail geschrieben ha: Ah, Bali! nothing like in the world.

Und jetzt geht es doch weiter nach Flores, zuerst mit dem Flieger nach Labuanbajo und dann ueber Land nach Maumere und zu unseren Freunden in Ankermi. Und hier ist das Wetter in den letzten Tagen schoen geworden und Lilo hat auf dem sternklaren Himmel gerade des Kreuz des Suedens entdeckt, das uns wahrend der naechsten Wochen begleiten wird.



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