Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Dem Strand von Sihanoukville sind viele kleine Inseln vor gelagert.

Badebetrieb fuer die Einen ...

... und Arbeit (Muellsammeln) fuer die Anderen

weit genug vom Hafen weg

viel Betrieb am Wochenende

Strandszene

Strandspaziergang

 

 

 

 

 

 

auch ein Gast in unserem Hotel


Von Phnom Penh nach Sihanoukville faehrt man ueber eine tadellose Strasse durch ziemlich dicht besiedeltes Gebiet. Die zweite Haelfte der Vier-Stunden-Fahrt fuehrt durch die Huegel der Elephant Mountains und ist auch landschaftlich sehr schoen.

Sihanoukville, benannt nach dem Prinzen Sihanouk, der 1954 fuer Kambodscha die Beendigung der franzoesischen Kolonialherrschaft errungen hat, ist der bedeutendste Hochseehafen des Landes und zugleich ein beliebter Badeort. Das geht zusammen, weil erstens im Hafen alles andere als hektische Betriebsamkeit herrscht und zweitens die Stadt eigentlich aus drei ziemlich weit von einander entfernten Teilen besteht.

Erst wohnen wir in der Naehe des Hafens auf dem Victory Hill. Das Haus ist sehr schoen, mit einer grossen luftigen Terrasse, auf der wir am zweiten Tag unseres Aufenthaltes den ersten Regen seit drei Monaten erleben. Leider muessen wir vier Mal reden, bis die Staff sich entschliesst, wenigstens den groebsten Dreck aus dem Zimmer zu entfernen. Also uebersiedeln wir an den Ochheuteal Beach, wo auch Elisabeth und Walter wohnen und wo der Hafen weit genug weg ist, dass das Meer wirklich Badewasser-Qualitaet hat. Es ist freilich sehr warm, wohl an die 30 Grad Celsius und die ueberall angebotenen Schnorchel-Trips zu einer der vielen vorgelagerten Inseln verweigern wir. Wir koennen uns nicht recht vorstellen, dass in dieser warmen Suppe schoene Korallen zu ueberleben vermoegen. Am Strand selber ist mit Schnorcheln sowieso nichts. Es ist das ein flacher Sandstrand wie der des Mittelmeeres in der Camargue, bestens geeignet als Badestrand fuer Familien mit kleinen Kindern, die am Wochenende auch in grossen Mengen da sind. Der Strand ist aber so weitlauefig, dass wir den Badebetrieb hier eher geniessen denn als stoerend empfinden.

Wir haben auch weiter nichts vor, ausser uns ein paar Tage zu erholen. Die sportlichen Aktivitaeten beschraenken sich auf eine Vier-Stunden-Wanderung die Straende entlang und durch die drei Teile der Stadt - Golden Lion Traffic Circle, Downtown und Victory Hill - wieder zurueck und auf gelegentliche Einkaufstouren. Ja, und zum Fruehstueck wandern wir an den Strand und zum Abendessen in irgend ein schoenes Lokal im Inneren. Eines unserer Fruehstuecks-Lokale gehoert einem Franzosen, der vor etlichen Monaten Opfer eines schweren Verkehrsunfalles geworden ist und nun mit den Folgen eines Schaedel-Hirn-Traumas lebt. Ganz so ungefaehrlich, wie man hier tut, ist der Verkehr auf den Strassen also doch nicht.

Elisabeth und Walter, die einen Tag spaeter als wir in Phnom Penh weg gefahren sind, haben im Bus ein Paar aus Hernals kennen gelernt, das schon oefter in Sihanoukville war und von dem auch der Tip mit dem Ochheuteal Beach stammt. Wenn das so weiter geht, wird man uns bald fuer eine Wiener Reisegruppe halten.

Die faulen Tage in S. sind aber gut geeignet, ein bisschen etwas von dem aufzuarbeiten, was wir in Kambodscha gesehen und erlebt haben. Das ist natuerlich und vor allem Angkor. Im Nationalmuseum in Phnom Penh haben wir eine Broschuere "Sitten in Kambodscha - Leben und Alltag in Angkor im 13. Jahrhundert" gefunden. Es ist das die Uebersetzung eines zeitgenoessischen chinesischen Textes von Zhou Daguan, der als Mitglied einer diplomatischen Mission im Auftrag des damaligen chinesischen Kaisers Kublai Khan in Angkor war. Sein Bericht, der in der Fassung des franzoesischen Sinologen Paul Pelliot aus dem Jahre 1902 nun auch in Deutsch vorliegt, hat uns zu einem etwas besseren Verstaendnis dessen geholfen, was wir in Angkor gesehen haben.

Das Khmer-Koenigreich, das diese wunderbaren Tempel und Staedte geschaffen hatte, war - ebenso wie das antike Griechenland - eine Sklavenhalter-Gesellschaft:"Wilde Maenner aus den Bergen koennen als Sklaven gekauft werden", schreibt Zhou Daguan. "Reiche Familien koennen mehr als einhundert besitzen; weniger Betuchte begnuegen sich mit zehn oder zwanzig; nur die ganz Armen haben keine ( ... ) Wenn sie jung und stark sind, moegen Sklaven einhundert Stueck Kleidung wert sein; wenn sie alt und schwach sind, kann man sie fuer dreissig oder vierzig Kleidungsstuecke bekommen ..."

Auf der Arbeit dieser Sklaven, auf dem Nahrungs-Ueberschuss, den sie beim Fischfang im Tonle Sap und auf den Reisfeldern mit ihren bis zu vier Ernten pro Regenzeit erwirtschafteten, beruhten also letzlich diese wunderbaren Bauwerke in Angkor, die nach der Schilderung des chinesischen Gesandten mit Gold und Bronze verziert waren. Die Khmer-Koenige in Angkor waren absolute Herrscher, denen mit Angkor eine Stadt gehoerte, die auf dem Hoehpunkt ihrer Macht die Flaeche von New York und ca. 1 Million Einwohner hatte. Auch diese gehoerten dem Koenig. Wenn der seinen Palast verliess, "wurde die Prozession von Soldaten angefuehrt, dann kamen die Flaggen, die Banner, die Musik. Maedchen des Palastes, dreihundert oder fuenfhundert an der Zahl, stimmungsvoll gekleidet, mit Blumen in den Haaren und Kerzen in den Haenden, bildeten zusammen eine weitere Reihe ( ... ) Dann kamen andere Maedchen, die Gold- und Silbergefaesse und eine ganze Galaxie von Schmuckstuecken in besonderer Form aus dem Palast trugen ... Dann erschienen noch mehr Maedchen, die Wachen des Palastes, ( ... ) Dann folgten Triumpfwagen, die von Ziegen und Pferden gezogen wurden, alle mit Gold geschmueckt. Ministern und Prinzen, die auf Elefanten sassen, gingen unzaehlige Traeger scharlachroter Sonnenschirme voraus. Kurz darauf folgten die Koenigsfrauen und Konkubinen, in Palanquinen (Saenften) und Triumpfwagen oder auf Pferden und Elefanten, denen mindestens hundert goldgesprenkelte Sonnenschirme beigeordnet waren. Schliesslich erschien der Herrscher: aufrecht auf einem Elefanten stehend, in seiner Hand das heilige Schwert haltend. Dieser Elefant, mit von Gold umhuellten Stosszaehnen, wurde durch Traeger von zwanzig weissen Sonnenschirmen mit goldenen Griffen begleitet. Um alles herum befand sich ein Schutzschild aus Elefanten, die dicht zusammengezogen wurden und noch mehr Soldaten marschierten in dichter Ordnung, um den vollkommenen Schutz zu gewaehrleisten ..."

Diese Schilderung des Chinesen beschreibt einen Hofstaat, der von dem Ludwigs XIV. wohl nicht allzu weit entfernt war, was sich wahrscheinlich wenige Besucher von Angkor klar machen. Wilfried Arz, der die deutsche Fassung des Berichtes von Zhou Daguan eingeleitet und kommentiert hat, sagt dazu: "Seit Zhou Daguans Besuch in Angkor 1296-97 sind ueber siebenhundert Jahre vergangen. Heute stehen Besucher vor leeren Tempelruinen. Die stummen Zeugen einer grossen Vergangenheit wurden ihrer kostbaren Skulpturen und eines Teils ihrer Reliefdarstellungen beraubt - durch franzoesische Kolonialherrschaft, den Indochina- und Buergerkrieg, durch organisierte Pluenderungen. Die Goetter haben Angkor lange verlassen."

Und wir wollen Ende dieser faulen Woche am Meer Kambodscha verlassen, um nach Bangkok zurueck zu kehren.



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