Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Elisabeth auf dem Express-Boot

schwimmende Polizeistation auf dem Tonle See

Abends ist der Sisowath Quay gut besucht.

Im Strassenverkehr hoert sich die Hoeflichkeit auch gegenueber Moenchen auf.

Muellsammlerin

Auch so leben hier Menschen.

Hauptpost

Der Wat Phnom hat der Stadt den Namen gegeben.

im Wat Phnom

Wat Phnom: Gluecklich schaut der Buddha da aber nicht.


Die Hauptstadt Kambodschas liegt am Zusammenfluss des Mekong mit dem Tonle Sap. Dieser Fluss wird aus dem gleichnamigen See gespeist, der jetzt am Ende der Trockenzeit ca. 2500 km2 gross ist. Im Mai, wenn der Mekong die Schmelzwaesser aus dem Himalaya heran transportiert, kehrt der Tonle Sap seine Fliessrichtung um. Das Wasser stroemt dann von Phnom Penh nach Norden zurueck in den See, der sich im Laufe der Regenzeit auf ca 10.000 km2 vergroessert. Wuerde der Neusiedler See das auch so machen, muessten die Bewohner von Eisenstadt in Hausbooten leben. Die Menschen auf dem Tonle Sap leben in schwimmenden Doerfern, die jetzt weit entfernt von den den See umgebenden Bergen auf dem Wasser liegen. Mit der steigenden Flut ziehen sie sich an die Berghaenge zurueck. Das tun sie, seit es hier Menschen gibt, also sicher seit ein paar Jahrtausenden, und es hat sich auch im 21. Jahrhundert nichts an diesem Rythmus geaendert. Auch moderne Einrichtungen wie Polizeistationen oder das schwimmende Buero von GECKO (Greater Environment Chong Khneas Office) passen sich diesem von der Natur vorgeschriebenen Ortswechsel an. GECKO versucht, die zunehmenden Umweltprobleme im See im Einvernehmen mit den vom See lebenden Fischern und Gemuesebauern zu mildern.

Wir starten um 6 Uhr frueh mit einem Lastwagen, der die Gaestehaueser abklappert, um die Passagiere fuer das Expressboot nach Phnom Penh aufzusammeln. Bei einem Hotel klettern Elisabeth und Walter, ein befreundetes Ehepaar aus Wien auf den Lastwagen. Wir wussten nur, dass sie im Jaenner nach Myanmar wollten. Sie hier in Kambodscha zu treffen, damit haben wir im Traum nicht gerechnet. Die Freude ist gross und wir geniessen es, auf der Sechs-Stunden-Fahrt ueber den See und den Fluss unsere Indochina-Erfahrungen im gewohnten Wienerisch austauschen zu koennen.

In Phnom Penh wohnen wir im Touristenviertel in der Naehe des Sisowath Quay. Viele Highlights der Stadt kann man von hier aus zu Fuss erreichen, den Koenigspalast mit seiner schoenen Ausstellung traditioneller Haus- und Dorfformen sowohl als Modelle als auch in alten Fotografien, die Silberpagode - das ist schon ein "feeling", wenn man bei jedem Schritt auf eine der mehr als 5000 Silberfliesen steigt, auch wenn sie dort, wo man geht, von Teppichen bedeckt sind -, das Nationalmuseum mit den wunderbaren Original-Skulpturen aus Angkor - soweit sie nicht von Kolonialoffizieren und -beamten geklaut worden sind, hat man viele Originale hier her gebracht und in Angkor Nachbildungen aufgestellt - und bei denen wir oft gar nicht glauben koennen, dass sie tatsaechlich aus Stein sind. Einen Fries aus dem 11. Jhdt. im Stil der Skulpturen des Banteay Srei-Tempels, aus rotem Sandstein heraus gearbeitet, halten wir zunaechst fuer eine Holzschnitzerei.

Geht man aus dem Touristenviertel am Fluss weg, dann findet man sich unvermittelt in der franzoesischen Kolonialzeit wieder. Breite Boulevards sind von schoenen Villen gesauemt. Das Hauptpostamt, an dem wir auf unserer Wanderung zum Stupa Wat Phnom vorueber kommen und gleich ein bisschen Post aufgeben, ist noch ganz im urspruenglichen Kolonialstil erhalten und sehr ruhig mit extrem freundlichen und hilfsbereiten Beamtinnen. Die Briefmarken fuer eine Postkarte kosten mehr als in Oesterreich. Wenn alle kambodschanischen Posttarife so gestaltet sind, ist es kein Wunder, das da wenig Betrieb herrscht. Das Pro-Kopf-Einkommen in Kambodscha betraegt etwa 300 US-Dollar im Jahr.

Bewusst ausgeklammert haben wir die Auseinandersetzung mit der Zeit der Roten Khmer. Wir haben das Genozid-Museum nicht besucht und auch nicht die Killing Fields. Es geht uns dabei gar nicht einmal so sehr um die Grausamkeiten, die hier Menschen angetan worden sind. Unertraeglich ist uns aber der Gedanke, dass die Staatengemeinschaft vier Jahre lang keine Handhabe gefunden hat, um dieses Morden zu stoppen. Wir hoffen, dass der Balkankrieg und die Einrichtung des Gerichtshofes in Den Haag doch ein erstes Zeichen einer Wende diesbezueglich sind.

An den Abenden sitzen wir mit unseren Freunden in einem der Terrassen-Cafes am Sisowath Quay und verstehen, dass es Leute aus Eropa gibt und gegeben hat, die gern in Phnom Penh leben und gelebt haben. Das ist eine schoene Stadt.



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