KARIN GOES FAR travel blog

Mittagspause am Lake Titicaca

Unser Truck "Shanna"

Hafen von Puno

Kinder auf den Uros Islands

Uros Island

Das Trinkgeld absahnende Maedel

Schilfboeoetli

Cindy und ich bei der Gastfamilie auf Amantani

Vom hoechsten Punkt von Amantani aus

Vom hoechsten Punkt von Amantini 2

von hinten jeweils von links nach rechts: Angus, Ted, Ian, Luc; Linda,...

Auf Taquile Island

Taquile Island 2

Ruinen von Silustani


Am selben Abend wie ich den Eintrag fuer La Paz geschrieben habe, wurde unsere Budget Expedition Gruppe einander bekannt gemacht. Mein erster Eindruck ging von "Ach du Scheisse, wo bin ich denn hier gelandet!" bis "Jetzt zeigt mir endlich wo die versteckte Kamera ist!"

Darf ich euch unsere 15 koepfige Reisegruppe vorstellen:

Die 29 jaehrige Linda ist seit 2 Jahren mit dem 31 jaehrigen Luc verheiratet. Das Moechtegernweltenbummler Paeaerli, das schon ueberall gewesen ist und schon alles erlebt hat und dies auch lautstark jedem mitteilen muss. Wenns sein muss, auch 15x die selbe Geschichte. In fact, waren sie bisher auf einer 2 monatigen, meist organisierten Suedostasienreise (so eine Art Pauschaltour) und sprechen kein Wort einer anderen Sprache als English, was uebrigens fuer 90% dieser Gruppe gilt. Linda hatte ich schon nach 15 Minuten unseres Kennenlernmeetings am ersten Tag auf meiner "Komm mir bloss nicht zu nahe"-Liste. Luc ihr Ehemann hingegen ist einfach nur auf seine eigene Art schwierig, aber haelt wenigstens meist seine Klappe. Fotos folgen ;).

Das zweite Paeaerli stammt ebenfalls aus Australien, die 24 jaehrige Sharon, die irgendwas arbeitet und der 27 jaehrige Steven, der Moebelluepfer von Beruf ist. Die zwei sind eigentlich ganz ok, vor allem Er, Sie spricht etwas viel weshalb sie immer als letzte fertig ist mit essen und der Rest dann auf sie warten muss. Beide kein Wort Spanisch: Er kann nach einer Woche ueben, noch immer nicht Salz und Pfeffer sagen.

Danach kommt unser Partymaedels Quartett: Die 23jaehrige Australierin Claire, welche schon am ersten Reisetag nach einer etwas uebertriebenen Nacht, in den Truck gekotzt hat. Die 22 jaehrige Belgierin Carole, welche die letzten 7 Monate mit Rucksack durch Australien und Amerika gereist ist. Wie sie's mit ihrem Stempel "Seht her, ich bin Tourist" auf der Stirn bis hierher geschafft hat, ist mir allerdings ein Raetsel. Dann die 21 jaerige Australierin/Asiatin Yvonne, welche die ersten 4 Tage taeglich mindestens 30 Minuten aufs Handy ihres australischen Freundes telefoniert hat, sich aber inzwischen (also am Tag 5) unseren 23-jaehrigen Englaender Ted zum haendchenhalten und knutschen geschnappt hat. Meiner Meinung nach war das aber kalkulierte Taktik, weil sie wohl damit rechnet, dass er ihr jetzt auf dem Inca Trail Trek, 4 Tage lang den Rucksack traegt. Um die Jungfraktion zu vervollstaendigen gibts da noch Nicola, zum fast ersten mal im Leben aus ihrem verschlafenen englischen Kaff raus um die grosse weite Welt zu erkunden. Sie ist mit 19 Jahren unser Nesthaeckchen, welche auf dem bisher 6 tage alten Trip mit rund 13 Maennern (inklusive Tourguide der zu uns paralell fahrenden Reisegruppe) rumgeknutscht hat und sich von mindestens einem Local flachlegen lassen hat (Bericht von der Front von letzter Nacht fehlt noch). Ja, das laeuft alles mehr oder weniger oeffentlich ab, sie laesst uns alle daran teilhaben und wir zaehlen fleissig mit.

Fast vergessen gehen jeweils die knapp 24 jaehrigen, unscheinbaren, sich aus Angst dauernd festhaltenden Freundinnen Paula und Rachel aus Birminham, England. Diese sind zum ersten Mal auf reisen, und fuerchten sich ganz schrecklich davor, je alleine unterwegs zu sein. Sie wollten s gleich so richtig wissen und haben voll hardcore diese organisierte Gruppentour in Suedamerika gebucht.

Zum Schluss kommen die zwei Teilnehmer, mit denen ich mich einigermassen verstehe. Der mit 29 Lenzen zum alten Kader gehoerende Angus, von Beruf Anwalt in Neuseeland, pflegt Konversationen von sehr direkter Art. Er hat Ian den 25 jaehrigen reiseverkaufenden Iren schon am ersten Abend "Fatboy" genannt, weil der halt eben einige Kilos mehr auf den Rippen hat als er selbst. Diese zwei Jungs sind neben mir, die einzigen der Gruppe, welche vor Beginn der Tour schon einige Zeit selbstaendig in Suedamerika unterwegs waren und uns auch auf die jeweilige Landessprache verstaendigen koennen. Wir haben uns inzwischen auch schon, nicht ganz unbewusst, von der Gruppe abgekapselt und ziehen so mehr oder weniger unser eigenes Ding durch. Ich am allermeisten. Um nicht nur ueber die anderen schlecht zu sprechen, beschreib ich mal, wie die restlichen Gruppenteilnehmer mich wohl sehen: Das schwarze Schaaf in der Gruppe, die voll Egomaessig sich so weit wie moeglich von uns naiven Touris entfernt. Die lieber alleine ins Restaurant geht, als nette Gespraeche mit uns bei Tisch zu fuehren um sich besser kennen zu lernen. Welche, falls doch mal in der 15er Gruppe dinierend, sich aufspielen muss indem sie auf Spanisch ihr Essen bestellt, nicht in Englisch wie's ja alle anderen tun und auf dem Markt dauernd versucht, um den Preis zu feilschen, obwohls doch fuer uns eh nur so wenig Geld ist!!!!

Alles in allem fuehl ich mich ueberhaupt nicht wohl in dieser Gruppe. Selbst wenn Angus und Ian gute Weggenossen sind, bezweifle ich, dass dies kompensiert, dass ich den rest der Gruppe fuer ganze 6 Wochen aushalten muss. Ups, die Cindy hab ich ja ganz vergessen. Die 27 jaehrige deutsche ist eher unauffaellig, Pferdewirtin von Beruf, mit dem sie sich die letzten 8 Jahre auf den verschiedensten englischsprechenden Flecken der Erde ueber Wasser gehalten hat. Sie ist gross, kurzhaarig und etwas staemmig, weshalb sie nach eigenen Angaben auf der Strasse oft als "Senor" angesprochen wird. Sie ist eher ruhig, spricht auch ueberhaupt kein Spanisch, ist fast noch mehr Aussenseiter in der Gruppe als ich, aber ich find sie wirklich ganz ok. Mir ihr teile ich uebrigens jeweils das Zimmer bzw. das Zelt.

Ach, vielleicht noch ein kleines Wort zu unserer Tourleiterin Nicky, welche eigentlich ganz nett ist, an der mich aber extrem verwundert, wie sie diesen Job gekriegt hat. Sie ist zum ersten Mal in Suedamerika, spricht kein Wort Spanisch und war wegen Magendarmgrippe die ersten 5 Tage Arbeitsunfaehig. Die Tourteilnehmer welche das 5 Seitige Reiseprogramm gelesen haben, wissen schon mehr ueber diese Tour als sie. Viel Spass denen, welche auf sie angewiesen sind, sag ich da nur.

Ich weiss, das klingt alles sehr herablassend, tut mir leid. Ich finds ja gut, dass all diese Leute sich langsam ans Reisen rantasten, indem sie so eine Art von Tour buchen. Irgendwann ist ja immer das erste Mal. War wohl mein Fehler, mich fuer sowas anzumelden, und jetzt steck ich leider mehr als nur knietief drin. Ich moechte wirklich gesagt haben, dass praktisch alle Leute dieser Gruppe sehr nette Individuen sind, es ist bloss muehsam, wenn man gleich alle auf einmal um sich hat, welche bei dieser Menge ein gefaehrlich grosses Angriffsziel fuer Touranbieter, Souvenirverkaeufer, Bettler, Restaurantanheurer und Diebe bieten. Oft machts sogar weh, wenn man ihnen zuschauen muss, wie sie sich tagtaeglich von den Einheimischen ueber den Tisch ziehen lassen und am naechsten Tag den genau gleichen Fehler wieder begehen. Tja, da muss ich wohl oder uebel durch. Ich sehs mal aus Herausforderung an und ich bin sicher, dass ich auf dieser Tour viel ueber mich selbst herausfinden und lernen werde. Ich halt euch auf dem Laufenden :)

Yep, und jetzt zum eigentlichen Reiseablauf. Am Dienstag Abend hat sich wie eben erwaehnt die Gruppe bei Informations- und Fragemeeting, Nachtessen und anschliessendem Barbesuch kennengelernt. Ich gebs zu, ich hab danach auch nur 3 Stunden geschlafen, bevor's am naechsten morgen bereits um 8Uhr mit unserem Truck (nicht Bus) "Shanna" aufging. Ich hab mich aber weder extrem peinlich aufgefuehrt, noch mit irgendwem rumgeknutscht, noch in den Bus gekotzt am naechsten Tag. Aus dem Alter bin ich glaub irgendwie raus !?!

Die Fahrt ging zuerst zu den Ruinen von Tiwanhaku (oder sowas), welche ich mir bei dem anhaltend, stroehmenden Regen aber nicht anschauen mochte. Ich hab es mir mit Pete dem Truckfaherer, der kranken Nicky und einigen Alkoholleichen (Partygirlquartett) von letzter Nacht, im 10 Grad kalten gegenueberliegenden Restauraentli, so gut es ging gemuetlich gemacht und Coca Tee getrunken.

Weiter gings ueber die Bolivianisch/Peruanische Grenze und dann entlang dem Titicaca See bis zum ersten Flecken mit Sonnenschein, wo wir unser "on the road" Salat- und Sandwichlunch zubereitet und verkoestigt haben.

Einige Stunden spaeter sind wir an unserer ersten Destination dieser Tour in Puno angekommen. Puno ist, und war auch unser Ausgangsort fuer Ausfluege auf die einigen bewohnten Inseln auf peruanischer Seite im Titicaca See. Heute gings frueh zu Bett und am naechsten morgen um 7.30h los auf 2-taegige Inselhuepftour.

Den Anfang machten die schwimmenden Uros Islands, welche vor Jahrhunderten von einem fluechtenden Volk gebildet wurden, um dort draussen auf dem See Ruhe vor den kriegenden Spaniern und Incas zu haben. Noch heute wird diese Tradition von einigen Familien fortgefuehrt, wenn auch die Krieger schon laengst verschwunden sind und der ganze Zirkus meiner Meinung nach, bloss noch zu touristischen Zwecken dient. Trotzdem Interessant, dass diese Inseln aus Schilfwurzeln mit Erde bestehen. Jede Woche wird eine neue Schicht Schilf darauf verteilt, weil das Wasser die letzte Schicht langsam durchtraenkt hat, und die Insel somit sinkt. Die aeltesten Inseln, werden rund 16-18m dick, dann werden sie zu schwer und die Familie, welche die jeweilige Insel bewohnt, muss sich eine neue basteln. Auf der Insel geht man somit auf einer riesen Schilfschicht. Die Haeuser, Boote, Sitzgelegenheiten, Aussichtsturm, Souvenirs usw. sind natuerlich auch alle aus Schilf. Energie fuer Licht und Fernseher !!! liefern die modernen Sonnenkollektoren !!!!!

Nach einer laessigen kurzen Fahrt auf dem hauseigenen Schilfboeoetli, auf der das kleine 5 jaehrige Maedchen der Familie mit Sing Sang und haerzigem Fuedlischwaenker den Joeh-Effekt ausloesend den meisten von uns ein dickes Trinkgeld abgeknoepft hatte, gings per Motorboot 3 Stunden weiter auf die Insel Amantani.

Dort wurden wir von den "Authorities" empfangen. Spaeter fand ich heraus, dass dieses Dorf so klein ist, dass praktisch jeder Bewohner irgend ein Amt bekleidete, welche jaehrlich im Rotationssystem gewechselt wurden.

Dieses Authorities Empfangskomitee bot uns gleichzeitig waehrend dem wir den Stuzt rauf kletterten, das Willkommenstaenzchen begleitet mit Floetemusik und waren zufaelligerweise auch gleich unsere Gasteltern. Nachdem wir jeweils zu zweit einem Gastelternteil zugewiesen wurden, kletterten wir noch weiter den Stutz rauf, und noch weiter, bis wir endlich im Zuhause angekommen sind, wo wir zu Mittag und zu Abend essen sowie uebernachten sollten.

Zu essen gabs Weizensuppe, gebratenen Kaese, 3 verschiedene Sorten Kartoffeln und Coca Tee. Wird alles auf der Insel angebaut, ausser dem Kaese natuerlich der von den, die Insel kahlfressenden Ziegen stammte. Zum Nachtessen gabs zur Feier des Tages zusaetzlich noch Reis. Komisch kam mir vor, dass die Gastfamilie uns alleine in unserem Zimmer essen liess. Wahrscheinlich gabs fuer sie Spaghetti mit Buechsenpellatti und Reibkaese aus dem Beutel zum Znacht.

Die, die wollten, konnten noch mit den Einheimischen in ihrem "Stadion" Fussballspielen. Leider tauchten bloss 3 Einheimische auf und rund 10 von uns wollten gegen diese antreten. Danach gings rauf auf den hoechsten Punkt der Insel, wo der Pachatata (Vatererde) Tempel Stand. Der Weg dort rauf war gesaeumt von Souvenir- und Wasserverkaeufern. Diese abzuwimmeln, war auch fast anstrengender als der steile Fussweg, was sich aber oben angekommen gelohnt hat fuer die herrliche Aussicht in der Abenddaemmerung auf alle Seiten der Insel.

Abends haetten wir uns in die traditionelle Kleidung der Frauen dort werfen sollen, um uns fuer die "Disco" schoen zu machen. Da es mir total gegen den Strich ging, mich mit traditioneller Kleidung anderer Glaubensrichtungen zu "verkleiden", und Cindy strikte verweigerte einen Rock zu tragen, konnte ich unsere Gastfamilie hoeflich davon ueberzeugen, dass wir lieber in unseren eigenen Kleidern dahin gehen wuerden.

Natuerlich bedurf unser nicht Verkleiden einiger Erklaerungen auf die Frage: "Why didn't you get dressed, it's so much fun!!!!" Ja und genau dieser Punkt machte mich so wuetend. Wir spielten doch hier nicht Fastnacht. Diese Maedels haetten diese Kleidung mit Respekt tragen sollen, da jedes einzelne Kleidungsstueck in der Tradition eine wichtige Bedeutung trug, aber diese kuemmerten sich einen Scheiss darum und machten sich darueber lustig und giggelten den ganzen Abend ueber die komische Tanzweise der Einheimischen (Taenze welche normalerweise nur 1x jaehrlich zu bestimmten heiligen Anlaessen getanzt werden) und versuchten mehr schlecht als recht es denen nachzumachen. Mann, hab ich aufgeatmet, als ich diesem Treiben endlich entkommen konnte. Schreeeckliiiich, ich hab mich geschaemt eine Touristin zu sein.

Am naechsten Tag gings wieder per Motorboot auf eine weitere Insel Taquile, welche wir im grossen und ganzen zu Fuss durch- bzw. ueberquerten inklusive einem Mittagessenstop dazwischen. Dort hatte ich waehrend der Mittagspause eine politische Unterhaltung (in einer Woche finden die peruanischen Praesidentschaftswahlen statt) mit unserem Tourguide, was eigentlich das interessanteste und informativste war fuer mich auf dem ganzen 2 taegigen Ausflug. Auf dieser Insel Taquile hat mich vor allem schockiert, wie schon die ganz kleinen sich eine Scheibe vom Tourismus abschneiden wollen, und wohl auch so erzogen werden. Auf die Frage ob man ein Foto von ihnen machen darf, reagieren sie mit einem scheuen Kopfnicken, sobald das Foto im Kasten, halten sie dann aber ganz offensiv und fordernd die hohle Hand hin. Freche Schurken das....

Vielleicht sollte ich doch noch was positives in diesem Bericht erwaehnen um nicht alles in diesem oeden, schummrigen Licht stehen zu lassen. Ja, die rund 6 Stunden Boetlifahrt habe ich sehr genossen, die Naturverbundenheit, die Naehe zur Tradition und der Gemeinschaftssinn der "Communities" auf den Inslen hat mich beindruckt und dass ich einige Kilometer bergauf und bergab gewandert bin in diesen zwei Tagen hat mir auch sehr Spass gemacht. Also nicht alles ganz so schlecht wie's klingt :)

Zurueck in Puno haben wir uns alle ein deftig, fettiges Mahl und eine weitere feucht froehliche durchtanzte Nacht gegoennt, nachdem sich die meisten inzwischen an die Hoehe und dessen Auswirkungen auf den Alkoholrausch gewoehnt haben.



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