Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Abend in Vang Vieng

Die Mittagszeit verbringen auch junge Moenche im Wasser ...

... nur Touristen nicht

Ho Phra Keo in Vientiane

Buddhastatuen aus Bronze im Phra Keo ...

... und ihre Bewunderer

Eine Urne aus der "Ebene der Tonkruege" steht vor dem Museum.

Palast des Praesidenten

auf dem Abendmarkt

So schoen verfallen Villen aus der Kolonialzeit

Kulturhalle in Ventiane

das "Denkmal"

"Ebene der Tonkruege" in der Gemaeldegalerie des That Luang

Rasenmaeher im Kloster, offenbar selbst konstruiert

Losverkaeuferinnen: Auch wenn man nichts kauft, lachen sie freundlich.

Fischer am Mekong

kein Traumjob

Er hat's auch nicht besser.

Der Markt in Vientiane ...

... und seine Angebote

der "Ehrwuerdige Stupa" (That Luang)


In Luang Prabang wuerden wir es lange aushalten, aber wir wollen ja auch noch mehr von Laos sehen. Auf dem Weg nach dem Sueden stoppen wir in Vang Vieng, das uns als sehr schoene kleine Stadt in den Bergen beschrieben worden ist. Die Fahrt dahin ist tatsaechlich schoen. Man durchquert das Bergland von Nord-Laos, wohin sich wahrend des 2. Indochinakrieges (1964 bis 1975) die Fuehrung der Pathet Lao zurueck gezogen hatte. Auf der "Ebene der Tonkruege" - im Franzoesischen heisst es richtiger "Pleine des Jarres"; das sind Steinkruege einer 7000 Jahre alten Urnenfeld-Kultur - liegen heute noch Landminen aus diesem Krieg und es gibt immer wieder Unfaelle. Die Strasse durch dieses Bergland ist sehr gut und die Bergformen sind so, dass sie sich auch in den Dolomiten nicht schaemen muessten.

Vang Vieng entpuppt sich das das Las Vegas von Laos mit einem ueberwiegend sehr jungen Publikum und den zugehoerigen Discos, Billard-Cafes etc. Es wird an Outdoor-Aktivitaeten alles angeboten, was nur vorstellbar ist: Tubing (bei dem man in orange angestrichenen Autoschlauechen den in der Trockenzeit recht zahmen Xong-River hinunter treibt), Hoehlen-Exkursionen, Kajakfahren, Klettertouren auf Dschungelberge ... Und es ist alles bedeutend teurer als in Luang Prabang. Ausserdem wird in dem Ort die Kanalisation gebaut, und nicht etwa in Etappen, wie wir das von zu Hause gewoehnt sind; nein, der ganze Ort ist eine einzige Baustelle und alles staubt. Einen Tag lang halten wir es hier aus, obwohl wir ein nettes Hotel gefunden haben, mit direktem Blick auf die Berge von unserem Balkon. Wir wandern in der Hitze zum Lusi Cave, wobei der Weg erst ueber tote Reisfelder geht, deren altes Stroh aussieht wie graue Haare und deren Erde in der Hitze geborsten ist. Reisfelder ohne Wasser sind ein deprimierender Anblick. Der zweite Teil des Weges geht durch einen Buschwald, in dem es wenig Schatten gibt - der Bauboom hier hat viele Leute her gelockt, und die brauchen alle Holz zum Kochen - , dafuer eine Menge Wespen, von denen eine sich ausgerechnet die Lilo als Opfer aussucht. So schoen es in der Mittagshitze am Fluss ist oder am Abend auf unserem Balkon, wir finden, fuer den Betrieb hier sind wir zu alt und in den Alpen gibt es auch schoene Berge und Hoehlen.

Die Busfahrt nach Vientiane (sprich: Vien Ti-e-n) dauert nur vier Stunden. Die Hauptstadt von Laos ist ein verschlafenes kleines Staedtchen, dessen Strassenverkehr wir - ueberhaupt nach dem Training in Indien - nur als erholsam bezeichnen koennen. Es gibt etliche Bauten hier, die stark an den sozialistischen Realismus erinnern, zB die klotzige Kulturhalle oder Lane Xang Hotel mit seiner Riesenlobby und Zimmern, die die Dimension von Turnhallen haben sollen (Diese unsere Kenntnisse stammen von Lucia, die im Vorjahr mit ihrer Familie hier war und in dem Hotel uebernachtet hat). Es gibt in Ventiane aber auch viele schoene Boulevards mit z.T. noch erhaltenen Kolonialbauten, es gibt eine Reihe netter Lokale und es gibt den Ho Phra Keo, einen Tempel, der eine Zeit lang den durch Indochina wandernden "Smaragd"-Buddha beherbergte (vgl. den Text ueber Chiang Rai), welcher heute in Bangkok zu Hause ist. Der Tempel ist zu einem Museum umfunktionieret, in dem es eine unglaubliche Fuelle von Kunstgegenstaenden gibt: Buddhas aus Bronze im Saeulengang rund um den Tempel, im Inneren weitere Buddha-Figuren aus Metall, Stein und Holz, schoen geschnitzte Stelen, Stuckfiguren und Tempelfriese. Bei vielen Buddhafiguren liegen Opfergaben, meist Geld aber auch Bananen oder Kokosnuesse. So leicht laesst sich eine Religion nicht besiegen.

Einen Tag verbringen wir mit Sightseeing. Wir hatschen die Prachtstrasse vom Praesidentenpalais hinaus zum Anousavari, dem Denkmal, das an die Toten der koenigstreuen Armeen erinnern soll. Der letzte Koenig war ein Freund der Franzosen und das Betonmonster versucht ganz offensichtlich, den Arc de Triomph in Paris zu imitieren. Als die Pathet Lao die Macht erobert hatten, war verstaendlicher Weise niemand mehr an der Fertigstellung dieses Betonhaufens interessiert; immerhin hat die neue Staatsfuehrung das Ding nicht sprengen lassen oder mit Kanonen beschiessen, wie das den Buddhastatuen in Bamian (Afghanistan) passiert ist.

Weiter auf der Strasse kommen wir nach einer halben Stunde zum Nationalheiligtum des Landes, dem "Ehrwuerdigen Stupa" (That Luang), einer weitlaeufigen Anlage, an der ueberall herum gebaut wird. Der Stupa selbst, in drei Ebenen aufgebaut, ist ein Betonklotz, der mit Goldfarbe angestrichen ist. Mehr interessieren uns die Details, zB die Gemaeldegalerie im Kreuzgang des Tempels, in der ein "Senior Artist" Renoir und Manet in ihrer Fruehzeit zu imitieren trachtet. Die Steinkruege auf der Plaine des Jarres sind allerdings sehr naturalistisch dargestellt. Peter sieht am Nachmittag, den er im Nationalmuseum verbringt, ein Photo davon.

Das Museum zeigt eine reichhaltige Sammlung aus der laotischen Steinzeit und viel Informatives ueber die Ethnien im Land, besonders ueber die Bergvoelker. Betroffen macht aber vor allem der Teil, der dem "vergessenen Krieg" (2. Indochinakrieg 1964 - 75) gewidmet ist. In diesen Jahren haben wir fast taeglich die Zeitungen gelesen, aber Laos kam darin praktisch nicht vor. Der Krieg hier, von US-Soldaten und der Armee Suedvietnams gefuehrt, um den Nachschub aus dem Norden fuer den Vietkong zu unterbrechen, war definitiv illegal. Das Genfer Indochina-Abkommen untersagte ganz klar die Anwesenheit fremder Truppen in Laos, die man aber auf den Fotos im Museum sieht. Auch die Minen, Splitterbomben und Granaten, die zu Hauf hier ausgestellt sind, hat ja nicht der Wettergott vom Himmel regnen lassen. Bei aller propagandistischen Absicht, die in dieser Ausstellung steckt, sie zeigt auch deutlich, dass es sogar im freien Westen moeglich war und wahrscheinlich noch immer ist, einen sehr bedeutenden Krieg einfach vor der Oeffentlichkeit zu verbergen.

Die friedliche und ein bisschen verschlafene Atmosphaere in der laotischen Hauptstadt wird durch solche Erinnerungen nicht mehr belastet. An den Abenden, wenn die Temperatur ertraeglich wird, versammelt sich alles am Mekong-Ufer, um an einer der zahlreichen Stassenkuechen zu essen oder im Schotter des Ueberschwemmungsgebietes Fussball zu spielen, zu reiten oder einfach nichts zu tun. Wir wuerden es auch in dieser liebenswerten Stadt lange aushalten. Aber fuer den 11. 3. haben wir schon ein Bus-Ticket nach Paxe im Sueden des Landes, den wir ueberhaupt noch nicht kennen.



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