Lilo & Peter Baumgartner: Asien 2006 travel blog

Dune Climbing Competition

Hochzeitsgaeste


Die zehn Tage in Bikaner sind trotz der Kaelte rasch vergangen: mit Besuchen in Fuersten-Palaesten, deren Pracht in krassem Gegensatz steht zu dem Elend auf den Strassen; mit ersten Kontakten zu den Menschen ausserhalb der Tourismus-Branche; mit ersten Begegnungen mit Kindern, die nicht betteln und zu Beginn des Gespraeches etwas schuechtern sind, aber die Bilder von Lilos Digital-Kamera bringen meist sehr rasch ein gutes, froehliches Gespraech in Gang. An einem der Tage hier haben wir die Kamelzucht-Farm besucht, die ca. 10 km suedlich der Stadt in der Wueste liegt und von der etwa die Haelfte aller in Indien als Zug- und Reittiere verwendeten Kamele stammen. Die Kamel-Korps der Rajputen waren noch im 1. Weltkrieg eine gefuerchete Waffe der britischen Armee.

Besonders angetan hat es uns die Altstadt von Bikaner, deren Buergerhauser mit den ueber die engen Gassen vorspringenden, kunstvoll geschnittenen Balkonen aus Holz oder rotem Sandstein eindrucksvoll von den Zeiten erzaehlen, in denen nicht nur die Fuersten- sondern auch die Buerger-Familien am Handel nach Zentral-Asien Unsummen verdient haben muessen. Vor einem dieser Hauser sass ein alter Mann mit beeindruckendem weissen Schnurrbart zusammen mit seinen Freunden in der Sonne. Hoeflich bat er uns um eine Minute unserer Zeit und verwechselte Austria nicht mit Australia. Er war als Soldat im 2. Weltkrieg in Europa.

Von den beiden Jain-Tempeln an der alten Stadtmauer hat man einen schoenen Blick ueber Bikaner, das sich mit seinen Vorstaedten ahnlich in die Wueste frisst wie Wien in den Wienerwald. Von hier schaut die Stadt mit ihren blau und weiss gestrichenen Haeusern und den Flachdaechern sehr sauber aus. Den Verkehr sieht, hoert und riecht man dort droben in der Ruhe der beiden Tempelhoefe nicht. (Der Jainismus ist, soweit wir verstanden haben, eine Art des Hinduismus. Es gibt ca. 1 % Jains in Indien und sie leben mit den Hindus recht friedlich zusammen).

Die letzten beiden Tage haben wir in einem Dorf - Katariasar - ca. 40 km nord-oestlich von Bikaner verbracht. Das alljaehrlich stattfindende Kamel-Festival hat am Freitag im Stadion der Stadt begonnen - mit einer Parade von prachtvoll geschmueckten Kamelen, viel Gesang und Tanz und der Wahl des Mr. Bikaner: Arnold Schwarzenegger haette da keine Chance gehabt. Die Herren waren in Festtagstracht. Bewertet wurden neben dem allgemeinen Auftreten die Baerte und die Kleidung. Am Samstag war dann in K. grosses Camel Racing. Die Viecher entwickeln ein erstaunliches Tempo; einige verliessen freilich die Piste um in die Wueste zu laufen. Ausserdem gab es noch eine Konkurrenz im Duenen-Klettern, bei dem ein Haufen junger Burschen einen steilen Sandhang hinauf strampelte. Der Sonntag war einer Hochzeitszeremonie gewidmet, bei dem ein Touristen-Paar nach der Hindu-Zeremonie verheiratet wurde: die Braut in einem roten Sari und reich mit Gold behangen, der Braeutigam in Weiss mit rotem Turban. Er kam auf dem Kamel angeritten und waere beim Absteigen ohne die Hilfe seiner indischen Freunde in den Sand geflogen.

Mehr als solche Tourismus-Attraktionen hat uns die Hin- und Rueckfahrt in das Dorf beeindruckt. Am zweiten Tag haben wir nicht auf den Bus gewartet sondern einen Jeep mit Indern gefunden, in dem nach einigem Hin und Her insgesamt 15 Personen hinein gequetscht waren. Nach dem feudalen Reisen im Schlafwagen der Bahn und in den Express-Bussen des Bikaner Tourismus Office fuehlten wir uns endlich wieder in Asien.

Der Jeep nahm dann auch nicht die Asphaltstrasse sondern eine Abkuerzung durch die Wueste ueber eine Sandpiste. Wenn die Sonne als grosser roter gluehender Ball in dem Sandmeer versinkt, ist das ein Bild vergleichbar jenem, das wir auf der Titelseite dieses Reiseberichtes haben und das Lilo auf der Insel Saraya vor Flores gemacht hat.

Heute abend geht es weiter nach Jaipur und wir hoffen, von dort wieder berichten zu koennen - vorlaufig halt ohne Fotos.



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